Rezensionen

House Of Lords: World Upside Down

(Frontiers Records / Soulfood)

Autor: CF / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von House Of Lords - World Upside DownEs ist lange her, dass man etwas Vernünftiges von House Of Lords gehört hat, und diese unsägliche Comebackscheibe „The Power and The Myth“ aus dem Jahre 2002 zähle ich bestimmt nicht dazu. Ohne Gregg Giuffria, dem vielleicht besten Rock-Keyboarder der Neuzeit (nicht im technischen Sinne, sondern wenn man sich seine Fähigkeit anschaut, wie man Songs/Melodien schreiben kann) hat das alles keinen Sinn gehabt und plötzlich taucht er wieder auf, zwar nicht als offizieller Teil der Band, aber er hat einige seiner Keyboardproduktionen zur Verfügung gestellt. Trotzdem ist die Handschrift des Herren oft klar zu erkennen und herauszuhören, deswegen sage ich einfach mal: Ich gehe fest davon aus, dass er die Parts auch alle selbst eingespielt hat.
Melodischer, technisch anspruchsvoller und bombastischer Hardrock, das war die Musik, die House Of Lords berühmt gemacht hat und genau auf diese Stärken beruft sich die Band auch endlich wieder. Harte, treibende Rocker darf und hat man von den Amis nie erwartet, denn sie haben die Fähigkeit, selbst härtere Rhythmen, wie in „These Are The Times“, durch den Einsatz von starken Gesangsmelodien, harmonischer, beinahe soft klingen zu lassen. Der Gesang von James Christian, der „World Upside Down“ auch produziert hat, ist eh ein Faustpfand der Band, den sie endlich auch wieder in der Art und Weise ausspielen, wie es eigentlich sein sollte und er nicht belanglos daher trällern muss.
Melodischer Hardrock ist eigentlich immer ein zweischneidiges Schwert, denn entweder wird überlustig daher gespielt oder sehr schmalzig in Herz/Schmerz Themen gebadet. House Of Lords schaffen es aber, den Bogen von typischen Rocksongs („Rock Bottom“), über Liebesliedern („Million Miles“) bis zu anspruchsvolleren Themen („Field Of Shattered Dreams“) zu spannen. Eine Sache, die sie aus dem Wust der Hardrocker aus den Staaten schon immer hervorgehoben hat, auch zu der Zeit als wöchentlich zehn Bands auf den Markt kamen und wieder verschwanden.
An Geniestreiche wie ihr Meisterwerk „Sahara“ kommen die Mannen noch nicht heran, aber es zeigt sich, dass sie es noch nicht verlernt haben. Mit „SOS“ oder „My Generation“ befinden sich leider auch Songs auf der Platte, die es nicht gebraucht hätte und da sie beinahe das Ende von „World Upside Down“ darstellen, macht sich der Eindruck breit, dass man die Spielzeit künstlich in die Länge ziehen wollte. Dieser Umstand ändert aber nichts an der Tatsache, dass House Of Lords ein sehr gutes Album auf die Beine gestellt haben und auch wieder beweisen, dass melodischer Hardrock nicht unbedingt seichte Musik sein muss. Wer gute Musik von guten Musiker hören und endlich mal verstehen will, warum dieses Art von Musik mal Millionen von Menschen fasziniert hat, der sollte sich „World Upside Down“ schleunigst zulegen. Und wer wissen will, ob Gregg Giuffria nun wirklich wieder dabei ist, der muss sich die Jungs wohl mal auf den Festivals in diesem Jahr anschauen.

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