Inhalt: New England 1958 - Dr. Montague mietet für eine Untersuchung übernatürlicher Phänomene den einsam gelegenen Landsitz Hill House. Zu seinem Team zählen die scheue Eleanor und die lebenslustige Theodora, die beide bereits Erfahrungen mit dem Übersinnlichen gemacht haben, sowie Luke, der Neffe der Besitzerin. Recht schnell kommt die Gruppe dahinter, weswegen Hill House als unbewohnbar gilt …
Kritik: Geschichten über die Autorin Shirley Jackson sind beinahe ebenso gruselig wie ihre Geschichten. Als ‚Neuengland Hexe’ soll sie mit einem Besenstil geschrieben haben, besaß angeblich eine schwarze Katze und soll mehr Zeit in Voodoo und Mystik als in ihre Familie investiert haben. Als talentierte, phantasievolle Autorin wurde ihre geistige Gesundheit außerdem durch die eine oder andere Psychose getrübt. Die Figuren ihrer Kurzgeschichten und Novellen weisen dabei zahlreiche Parallelen zur Autorin auf. Zumeist verteilt die Autorin ihre gespaltene Persönlichkeit auf einen Charakter oder auf zwei gegensätzliche Figuren, die die beiden ‚Seelen’ der Shirley Jackson widerspiegeln. The Haunting of Hill House (so der Originaltitel) verfügt über eben diese Charakteristik.
In der genannten Spukgeschichte ist es die Protagonisten Eleanor Vance, die eine Seite von Shirley Jackson repräsentiert. Eleanor Vance (gesprochen von Evelyn Maron) ist schüchtern, pflegte ihre Mutter hingebungsvoll bis zu deren Tode und lebt im Wohnzimmer ihrer hartherzigen Schwester und deren Mann. Das Leben ist bisher an Eleanor vorbeigezogen, als sie einen Brief von Dr. John Montague (gesprochen von Christian Rode) erhält, welcher sie zu einem wissenschaftlichen Experiment auf den Landsitz Hill House einlädt. Eleanor wurde von dem Wissenschaftler ausgewählt, weil sie nach dem Tod ihres Vaters Poltergeist Phänomene hervorrief. Ebenfalls Teil des Experiments ist die hellseherisch begabte Theodora (gesprochen von Arianne Borbach), welche durch ihre lebensnahe, extrovertierte Persönlichkeit einen deutlichen Gegensatz zu Eleanor darstellt. Beide ‚Versuchskaninchen’ sollen das Übersinnliche in Hill House zum Leben erwecken und ihre Erfahrungen niederschreiben. Ebenfalls mit von der Partie ist der smarte Hill House Erbe Luke Sanderson (gesprochen von David Nathan).
Bei ihrer Ankunft auf Hill House empfängt die skurrile Haushälterin Mrs. Dudley (gesprochen von Gisela Fritsch) die Gäste, um sie nach einer kurzen Einweisung direkt vor dem Haus zu warnen. Kurze Zeit später beginnt der Spuk. Allerdings bleiben sichtbare Phänomene aus, nur unheimliche Stimmen und bedrohliche Geräusche sind zu vernehmen. Verbirgt sich hinter den nächtlichen Aktionen eine rationale Erklärung? Oder ist es gar der verstorbene Hausbesitzer?
Wem die Geschichte bekannt vorkommt, dürfte eine ihrer beiden Verfilmungen gesehen haben. Aus dem Jahr 1963 stammt die Verfilmung Bis das Blut gefriert, aber bekannter dürfte das Remake Das Geisterschloss aus dem Jahre 1999 mit den Schauspielern Liam Neeson, Catherine Zeta-Jones, Lili Taylor und Owen Wilson sein. Während sich die erste Verfilmung eher an das Originalscript hält, greift das Remake in die Trickkiste des modernen Gruselkinos. Und floppte deswegen damals nicht nur wegen dem parallel anlaufenden Blair Witch Project an den amerikanischen Kinokassen.
Auch wenn mir persönlich das Remake gefällt, tut Titania Medien im Rahmen ihrer klassischen Horror-Lektüre Grusel Kabinett gut daran, sich an das Original zu halten. Alleine weil es den roten Faden zu den bisherigen Erscheinungen behält. Allerdings dauert es daher auch beinahe die komplette erste CD, bis ansatzweise etwas Unheimliches geschieht. Vorher sind es vor allem die Rückblenden, Vorahnungen und die Beleuchtung von Eleanors Psyche, die für Spannung und Grusel sorgen. Auf der zweiten CD wird das Übersinnliche schließlich stärker betont, aber wer auf Knalleffekte und sinnlich erfahrbare Geistererscheinungen hofft, wird von der Doppel-CD enttäuscht werden. Spuk in Hill House dürfte außerdem durch den subjektiven Blickwinkel der erzählenden Eleanor bis zum Schluss offen lassen, ob es überhaupt zu unheimlichen ‚Erscheinungen’ auf Hill House gekommen ist. Shirley Jacksons Geschichte könnte auch als Psychogramm angesehen werden, dem die Autorin okkulte Elemente beigemischt hat. Und ähnelt damit der fünften Serienfolge Die Unschuldsengel von Henry James. Allerdings erreicht die Doppelfolge nicht die Atmosphäre der James Geschichte. Hörenswert ist die Vertonung aufgrund des Titania Medien Standards, den wie immer engagierten Sprechern und dem doppelten Boden der Handlung aber sicherlich. Dies dürfte diesmal aber mehr denn je eine Geschmackssache sein – wie schon Leserreaktionen auf das Original belegen.