Rezensionen

Grüsse aus Gehenna: Am Anfang war das Schwert (I & II)

(Pandoras Play)

Autor: DJ / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 1 Kommentar

Bild von Grüsse aus Gehenna - Am Anfang war das Schwert (I & II)Inhalt: Die Stadt Dornberg steht am Rand der Hölle, und die einzigen, die die drohende Apokalypse aufhalten können, sind drei (liebenswerte) Versager: der ehemalige Student Alex Leonhard, seine Freundin Mara, eine Azubi-Magierin - und der 8.000 Jahre alte Gestaltwandler Nikodemus. Gemeinsam treten sie an gegen die Armee von Gehenna und deren Oberbefehlshaber Martyn Azred…

Verblüffend muss man feststellen, dass sich bei den Junglabeln nach den ersten erfolgreichen Hörspielserien der Hang zu Groschenromangeschichten bzw. die Umsetzung vorliegender Groschenromane abzeichnet. Nachdem die Hörfabrik zuletzt mit Mark Tate zu erschrecken wusste, die Hörspiele-Welt ihre Zukunft mit Macabros plant, wagen sich auch Pandoras Play mit der Serie Grüsse aus Gehenna auf diesen Markt. Wobei das Prädikat Groschenroman als Literaturgattung an dieser Stelle (noch) nicht wertend gemeint sein soll. Allerdings weisen sowohl die Erzählstrukturen, der Seriencharakter und das literarische Niveau in seiner von Redewendungen und abgedroschenen Phrasen geprägten Stilistik deutliche Elemente der angeführten Gattung auf. Selbst das Spiel mit den Antihelden Mara Dreiden und Alex Leonhard, die bisher nicht einmal ihr eigenes Leben zu meistern wussten und nun für das weitere Schicksal der gesamten Menschheit zu kämpfen haben, kann nicht als wirklich neu empfunden werden. Spätestens seit Harry Potter kennt dies jedes Kind. Und selbst der trockene Humor, die ironische Sprachführung, das lässige Sprücheklopfen des Neo-Helden Alex Leonhard ist bekannt: was haben schließlich Spiderman, Björn Hellmark und Larry Brent gemeinsam?! Innovation wie in der surrealistischen Serie Chronologie der letzten Tage sucht man bei Grüsse aus Gehenna leider vergeblich. Die Zutaten sind bekannt, das fertige Gericht hat man also schon einmal in ähnlicher Form genossen. Folglich Finger weg! von Grüsse aus Gehenna?

So einfach darf man es sich nicht machen. Verbleiben wir doch erst einmal beim Inhalt. Am Anfang war das Schwert beginnt beinahe ähnlich David Lynchs Dune. Eine dem Irdischen enthobene Frauenstimme spricht mystische Psalme, bevor ein Szenenwechsel den Hörer direkt in die Hölle katapultiert. Dort beschreibt Hendrick Leonhard mit zitternder, angespannter Stimme seine Situation in Gehenna, einer düsteren Dimension, die einst mit unserer Welt verbunden war. Die phantastische Gangart wird in diesen zwei kurzen Szenen vorgegeben. Allerdings schmeckt man durch die effekt-verkrampfte Stimme des Dämons, dem Hendrick in Gehenna gegenübersteht, und das nachfolgende musikalische Zwischenstück auch ein wenig von der Billigkeit der Serie. Die Dämonenstimme klingt blechern, die Musik erinnert an Tonstudio Braun.
Szenenwechsel. Alex Leonhard wird auf einer Party von seiner Freundin Vanessa abgeschossen. Direkt im Anschluss erhält er einen Anruf des für ihn unbekannten Nikodemus, der ihn nach Dornberg bittet, weil dort angeblich etwas mit seinem Vater vorgefallen ist. Stopp! Hier darf sich der Hörer wundern. Warum folgt Alex ohne Hinterfragen dem Ruf eines Unbekannten?
Szenenwechsel. Ankunft in Dornberg. Mystiker verkünden die Apokalypse bei Alex Ankunft in Dornberg. Die Stimmen der Mystiker klingen wie aus einer alten Rundfunksendung. Warum? In der gleichen Szene trifft Alex auf die abartig schöne Namaah, die dem Hörer ja schon zu Beginn ein Rätsel aufgegeben hat.
In der Wohnung seines Vaters erwartet Alex Nikodemus, ein Gestaltwandler, wie sich später zeigt. Nikodemus gibt sowohl Alex als auch dem Hörer den Hintergrund der Serie vor. Alex ist ein wenig verblüfft, hält sich aber wacker. Und kann sich außerdem den Namen seines Gegenübers nicht merken. Ein Wunder bei Nikodemus, den er einmal als Nostradamus, ein andermal als Nikosowieso und schließlich vollkommen abwegig als Nick Knatterton anspricht.
Weitere zentrale Personen werden in den nächsten Szenen eingeführt. Die Seite der Guten erhält noch mit der tölpelhaften Mara eine Magierin, die ihre Fähigkeiten erst nach und nach entwickeln soll. Das Böse wird auf Erden durch den Schwarzmagier Martyn Azred vertreten. Letzterer opfert Maras WG-Genossen Jessica den Kardinälen, den Herrschen von Gehenna, und hat es schließlich auch auf Mara abgesehen. Der Kreis schließt sich, als Alex Mara zur Hilfe kommt, als Martyn Azred diese ebenfalls entführen und opfern will. Eine Wunderwaffe in Form eines magischen Schwerts mit Eigenleben hat Alex inzwischen auch.

Auch wenn die Geschichte in bekannten Strukturen verläuft, schafft sie es dennoch zu unterhalten. Selbst die krampfhafte Komik und die unangebrachte Lässigkeit können nicht verhindern, dass man sich für den Fortgang der Geschichte interessiert. Dennoch verzieht man an zahlreichen Stellen ärgerlich das Gesicht, wenn die Dialoge vollkommen in Schwachsinn verenden oder die Stimmeffekte einfach nur noch lächerlich wirken. Autor Dane Rahlmeyer besitzt außerdem kein Händchen für Dramatik und Grusel. Von Atmosphäre will man gar nicht erst reden. Der Showdown in der zweiten Folge, als Martyn Azred und seine Monsterscharen auf Mara, Alex und Nikodemus treffen, erinnert peinlichst an die Schlachten, die man einst in Kinderjahren mit Gummi-He-Mans und Plastik-Skeletors im Kinderzimmer aufgeführt hat. An diesen Stellen unterwandert der Autor sogar das Groschenroman-Niveau. Und verliert sein eigentliches Ziel sichtlich aus den Augen. Aber dennoch besitzt die Serie diesen unerklärlichen Zwang weiterzuhören, bis zum Ende auszuhalten. Ein Element, was man nun einmal auch vor allem von den beliebten Groschenheftchen kennt.

Die Umsetzung wurde schon an einigen Stellen angesprochen. Für eine Pandoras Play-Produktion finde ich Musik und Hintergrunduntermalung enttäuschend. Die Sprecherleistung ist typisch. Auf der einen Seite wissen Andreas Bötel als Nikodemus und Marco Göllner als Martyn Azred zu gefallen. Das Heldenteam hingegen fällt qualitativ deutlich ab. Nils Hensel nimmt man den witzigen Schwertschwinger mit der ständigen Identitätskrise nicht ab, Katja König weiß der Magierauszubildenden Mara auch noch keine Stimme zu verleihen. Ließe sich das verschmerzen, so sind es vor allem die Monsterstimmen, die das Ohr strapazieren. In der zweiten Folge schießt man zudem Men in Black-like mit Mort die Kröte den Vogel ab.

Inhalt und diesmal auch die Verpackung – was hat Sandra Stücker sich bei diesen Sim-Grafiken gedacht? – sind für PP ein Schritt zurück. Was die Motivationskurve, die Hörspiele weiterzuhören, angeht, so kommt Grüsse aus Gehenna beinahe schon an die Chronologie der letzten Tage heran. Auch wenn dies widersprüchlich ist und sich nur mit dem Soap-Charakter der Serie erklären lässt, muss dies einfach erwähnt werden. Ob man allerdings für die zusammengehörenden zwei Teile um die 20 Euro berappen will, … Am Anfang ist Gehenna nun einmal vor allem ein zweischneidiges Schwert!

1 Comment »

  1. Meiner Meinung nach ist “Grüsse aus Gehenna”, trotz anfänglicher Schwierigkeiten bei den Sprechern, eine Hörspielserie die Potential hat.
    DJ hat das wesentliche gut beschrieben.
    Die Serie nicht besonders packend, aber man würde doch gerne Wissen wie sie weitergeht.
    Ich freue mich auf die weiteren Teile (nach meinen Informationen soll es 12 geben) und kann die Serie empfehlen.

    Comment by Smarrel — August 7, 2007 @ 1:51 pm

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