Rezensionen

Goose: Bring It On

(Red Ink / Rough Trade)

Autor: schlimm / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Goose - Bring It OnMusikalisch besticht Belgien schon seit Jahren durch eine sehr feine und kreative Musikszene. Die Band Goose, die ihren Namen übrigens dem Film Top Gun entliehen hat, tritt als weiterer Act aus unserem Nachbarland den Beweis dafür an. Hierzulande dürften die vier Mitglieder noch relativ unbekannt sein. Ganz anders sieht es da in der Heimat aus, räumten sie doch dort so ziemlich jeden Nachwuchspreis von Rang und Namen ab. Mit „Bring It On“ legen sie nun ihr zweites Album vor. Damit wollen sie wohl endlich auch den Rest von Europa erobern und danach dann sicher die ganze Welt. Ob das hinhaut? Zumindest dreht die britische Presse mal wieder komplett am Rad. Nun gut, dass bedeutet noch nicht viel, allerdings ist es doch eher selten, dass Bands ohne britischen Pass über den grünen Klee gelobt werden. Der NME, die SUN und der DAILY STAR halten sich jedenfalls mit ihren Lobesbekundungen nicht zurück.

Vorschusslorbeeren sind ja schön und gut, aber kann „Bring It On“ dies auch rechtfertigen? Der erste Track „Black Gloves“ fängt dann auch recht schmissig an. Dies dürfte jede Tanzfläche füllen, sofern man ein Faible für elektronische Musik. Da ist so gar nix mehr von der AC/DC Coverband zu hören, als die Goose angefangen haben. Zudem hört sich der Track ziemlich zusammengeklaut an, das kennt man genau so schon alles. Zum Glück geht es dann mit einem schönen Bassthema in „British Mode“ weiter. Hier stehen sich die Elemente Rock und Elektronik gleichberechtigt gegenüber und überzeugen auf ganzer Linie. Sehr starker Track! Auf dieser Schiene geht es dann mit „Girl“ weiter. Erinnert in Teilen stark an New Order und tritt erneut den Beweis an, dass Rock- und Elektronikelemente einträglich in einem Song nebeneinander existieren können und vorzüglich funktionieren. Nicht mehr ganz so gut klappt dies bei „Bring It On“, der dann doch ein gewisses Nervpotenzial hat. Eine kleine Kurskorrektur gibt es dann mit dem entspannten Beginn von „Slow Down“ wo man mitten zurück in die 80er katapultiert wird. Der Refrain ist ein Killer und lässt einen den ganzen Tag nicht mehr los. Sehr geiler Groover.

„Check“ läutet dann ziemlich hektisch ohne Gesang die zweite Albumhälfte ein. Wer es braucht, bitteschön. Definitiv besser sind Goose mit Gesang, wie auch das folgende, dunkle „Modern Vision“ unter Beweis stellt. Mit „3T4“ folgt dann ein recht belangloser Track, der weder zur Freude, noch zur Aufregung taugt. Dafür „rockt“ Track neun, „Low Mode“ danach umso mehr. Sehr schöner Spannungsbogen und Breaks, versehen mit einem mitreißenden Refrain. Dies dürfte so sicher auch ein Tanzflächenfüller werden, egal ob in der Indie- oder Dancedisco Deines Vertrauens. Zeit zum Durchatmen bleibt da kaum, denn mit dem überdrehten „Everybody“ wird die Spirale schon fast etwas überdreht. Mit „Safari Beach“ klingt das Werk dann ruhig aus. Halt nicht ganz, denn als Hidden Track gibt es dann noch „Audience“ zu hören. Dieser Song dürfte dem ein oder anderen noch aus einer Werbung eines Softdrinkherstellers des Jahres 2004 in Erinnerung sein.

Fazit: Als „Bring It On“ das erste Mal im heimischen CD Player rotierte stellte sich alles andere als Begeisterung ein. Schnell landete der Rundling auf dem Stapel „Irgendwann-mal-hören-und-besprechen“. Nun nach einigen weiteren Durchgängen muss man festhalten, dass die Scheibe ein Groover ist, sie wächst mit jedem weiteren Durchgang. Der 80er Synthiesound versehen mit dieser latenten Britrock Attitüde hat durchaus seinen Charme. Tanzmusik trifft auf Indie. In seinen besten Momenten ist dies die beste Musik der Welt, in seinen schlechtesten allerdings auch die fürchterlichste. Somit bleibt unter dem Strich sicher kein Album, welches jetzt die Welt aus den Angeln heben wird und als großer Wurf in die Geschichtsbücher der modernen Musik eingehen wird, aber trotzdem zu gefallen weiß.

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