Klappentext; Jenseits der rumänischen Grenze gerät ein größenwahnsinniges Projekt außer Kontrolle. Die Sphären… "Wald… Dieser Begriff hat nichts gemein, mit jenem Albtraum, der Steven Burns in der zweiten Sphäre erwartet. Die Luft ist von Modergeruch durchdrungen. Kein Tageslicht dringt durch das Dickicht der ineinander verwobenen Äste. Der matte, geisterhafte Schimmer musste von Fäulnisbakterien ausgehen, die hier einen idealen Nährboden gefunden hatten.“ Alles Leben befindet sich in einem widerwärtigen Wandel. „Augen - viele Augen! - fanden die Eindringlinge und starrten sie an.“
Wenn man will, ist Welt der Dämmerung der letzte Teil des Dreiteilers, der mit Am Grenzgebiet begann. Stephen Burns und Joyce Kramer befinden sich inzwischen zusammen mit Begleitung, aber getrennt in den so genannten Sphären, einer künstlich angelegten Welt, die in zwei verschiedene Klimastufen unterteilt wurde. Auf unerklärliche Weise ist die Welt und ihre Bewohner mutiert. Und in diese Welt ist der gesuchte Walter Kunetka geflohen. Aber nicht nur Kunetka und die Mutationen befinden sich in den Sphären. Die künstliche Welt birgt noch ein weiteres Geheimnis. Und besitzt zudem noch einen weiteren, verrückten Bewohner.
Ebenso wie die achte Folge Nebelsee lebt Welt der Dämmerung neben der wirklich starken Dramaturgie und der damit einhergehenden Spannung vor allem von der dichten Atmosphäre. Das künstliche Biotop lebt! Und es wird nicht nur für Stephen Burns zu einem Albtraum, sondern auch für den Hörer zu einer faszinierend-abstossenden Welt. Um das Morbide der Sphären, ihre Gefahr und ihr Grauen greifbar zu machen, dürfte Welt der Dämmerung die bisher brutalste und blutigste Folge der Reihe sein, auch wenn die Serie im Allgemeinen nicht die direkte Konfrontation mit deutlichen Bildern scheut. Dass die Wanderung durch die Sphären dabei etwas von Filmen wie Alien oder Jurassic Park hat, dürfte dem Hörer nicht viel ausmachen, dient es außerdem dazu, der Phantasie etwas auf die Sprünge zu helfen. Und selbst Gasthörer Smudo wurde satt in seiner Rolle als Zargan Bat, der zusammen mit Stephen Burns einen Trupp bildet, eingepflanzt, dass man bei seinem schließlich bösartigen Ende nicht den pummeligen Smudo seinen letzten Atem aushauchen sieht.
Und was bietet das von mir in der Kritik zu Folge 10 Diesseits der Kuppeln als inoffizielles Finale der ersten Staffel bezeichnete Hörspiel noch? Vor allem wieder ein wenig mehr Hintergrundwissen. Hintergrundwissen, das aber erneut Neugierde weckt und weitere Fragen aufwirft. Die Serie fungiert hier ähnlich einem Memoriespiel. Man deckt Karten auf, findet hier und da auch Pärchen, aber erkennt weiterhin, dass bei einigen Karten noch der Partner fehlt. Die Lösung des einen Rätsels bringt auch immer das Aufwerfen einer weiteren Frage mit sich. Und so ist dieses inoffizielle Finale auch nicht mehr als die Spitze des Eisbergs. Aber aufregend wie eine Wanderung durch eine Blumenwiese, wenn man die Größe eines Marienkäfers besitzt. Sicherlich ist es aber an der Zeit, alle elf Folgen einer genauen Untersuchung zu unterziehen, Erkenntnisse zusammenzutragen und zu rekapitulieren, Zeit für eine Nacht Gabriel Burns, Zeit für elf Folgen Geschichten in einer Welt der Dämmerung.