Tralala gab es um Carl McCoy über die Jahre hinweg viel. Allerdings handelte es sich dabei weniger um Musik, als um Streitereien mit seinen Arbeitskollegen, egal ob es sich dabei um die Band oder um das Plattenlabel handelte. Was man sich einst unter dem Namen Fields Of The Nephilim aufgebaut hatte, riss McCoy in wenigen Jahren mit den Querelen ein. Eine Band, die sich einst durch viel Mystik und Magie ausgezeichnet, dieses Image durch neblige Auftritte, surreale Bilder, poetische Texte und nicht zuletzt durch das Maximum an exzellentem Düster-Rock zu einem Meisterwerk erhoben hatte und sich sowohl dem Respekt der Gothic- als auch der Metal-Szene sicher sein konnte, stolperte über die Realität. Das überirdische Bild zerplatzte wie eine Seifenblase und die Fields reihten sich ein in die Riege der knatschigen Bands, die mit dem eigenen Älterwerden verblassen und farblos werden. Reunion-Ankündigungen und halbgare Veröffentlichungen kratzten immens am Kultstatus der Band. Aber 2005 will es zumindest Carl McCoy noch einmal wissen.
Und Mourning Sun ist eine Platte, die sich wirklich gut neben The Nephilim und Elizium macht. Alleine das Intro Shroud weckt Erinnerungen an nachdenkliche Abende bei den Klängen der fünf Engländer. Das folgende Straight of Light rückt wie in guten alten Zeiten die Bass Gitarre in den Mittelpunkt des Songs, ein Stilmittel, was die Band schon früher gerne gebrauchte und wie keine andere Band aus dem Genre perfektionierte. Und auch die Länge der Songs weicht 2005 nicht von früheren Tagen ab. Die Songs bewegen sich fast ausschließlich zwischen sieben und acht Minuten und bieten somit McCoy genügend Raum, um sein Leben aus- und den Songs Leben einzuhauchen. Den Höhepunkt erreicht man beim knapp zehnminütigen Titeltrack Mourning Sun, der ein gelungendes Comeback abschließt. Aber bei aller Freude fällt eins dennoch auf: der Zauber der einstigen Fields Of The Nephilim ist verflogen. Daran kann auch McCoys Versuch, seine Mitstreiter auf Mourning Sun unerwähnt zu lassen, nichts ändern.