Es heißt, die Schweizer seien langsam. Es heißt weiter, die Schweiz sei ein wohlhabendes Land. Es heißt auch, Favez wären nie über den Status des Geheimtipps hinausgekommen. Diese Vorurteile – zumindest das erste – werden von Favez’ neuem Album, „Old and strong in the modern Times“, im Keim erstickt. Denn die Band geht das Gros der Platte mit einem ordentlichen Schwung an. Und dass man seine elf Songs binnen gut 37 Minuten runtergeholzt hat, spricht eigentlich auch für sich.
Kurz und gut quasi – zudem geradlinig. Die Schweizer rocken ohne Umschweife auf den Punkt. Dabei gerät das Quartett zwar für kurze Zeit auf abgetretene Wege („Primitive Nation of One“), doch verlässt sie diese auch wieder. Süßsauer traurig wird’s etwa auf „Marlon Brando, Porsches, Hondas and me“ – zudem ein klasse Titel stellvertretend für die Vergänglichkeit. Mein persönlicher Favorit ist „The bigger the Clouds“, dass es schafft, zu einem Singalong zu werden, ohne dabei in überbordende Fröhlichkeit auszuarten. Wie gesagt, das geht alles ganz flott. Einzig der Abschlusstrack, „Ghost of Winters Past“, wird über gute sechs Minuten hingezogen.
Insgesamt pendelt „Old and strong in the modern Times“ oftmals zwischen den Polen Freude und Traurigkeit. Favez haben eine gewohnt souveräne Platte abgeliefert. Nicht genial, aber doch über dem Durchschnitt.