Rezensionen

Fantomas: Suspended Animation

(Ipecac)

Autor: SD / Kommentare: Bisher keine

Mike Patton und die Vereinigung der Obershizos greifen wieder an! Nachdem das Debüt von FANTOMAS nach einem völlig durcgeknalltem Comcistrip-Soundtrack zwischen Klapsmühlenbesuch und Grindcore-Ausflügen klang, das Zweitwerk „Director’s Cut“ wiederum äußerst unterhaltsam und genial Filmmusiken interpretierte, dessen Nachfolger „Delirium Cordia“ hingegen aber eher eine absolut überflüssige Sammlung aus Klangcollagen darstellte, vereint „Suspended Animation“ alles bei dieser Band bisher da gewesene als Komplettpaket in sich.
Ähnlich wie bei der Film-Coverscheibe gibt es Passagen, die fast schon Schemen konventioneller Rockmusik tangieren (Track #10 oder #13 z.B.), der Großteil des Werks klingt aber ähnlich wie das Debüt nach einem tollwütigen Bugs Bunny auf LSD. Alberne Geräusche, Kinderlieder-Auszüge, schräge Lärmereien, Kirmes-Samples, pathetische Western-Soundtrack- und Swing-Anleihen und Computerspiel-Sounds wechseln sich mit punkigen Prügelorgien der instrumentalen Allstar-Kombination Osbourne (Gitarre, Melvins), Lombardo (Drums, Slayer) und Dunn (Bass, Mr. Bungle) ab, während Ex-Faith No More/Mr. Bungle/etc.-Frontman Patton hektisch wirre Laute ins Mikro schreit. Das ist auch schon das ganze Konzept der Sache, so etwas wie logisch nachvollziehbare Songstrukturen erkennt man eher selten auf diesem Werk. Was manchmal wirklich schade ist, denn einige Passagen hätten das Zeug, zu richtig coolen Songs ausgebaut werden zu können, während einige Sample-Collagen dazwischen einfach nur purer Schwachsinn sind. Aber so funktionieren FANTOMAS wohl nun mal.
Dabei ist jeder der 30 Tracks einem Tag im April gewidmet und auch dementsprechend betitelt, z.B. ‘04/16/05 SATURDAY’ und so weiter …
Sicher, um so etwas wie das hier gut zu finden muss man schon einen gewaltigen Schaden haben, und unter hoher „Kunst“ würde ich es nicht wirklich abstempeln. Kritiker dieser Truppe erkennen aber nicht, dass dieser durchgeknallte Wahnsinn in Tüten eben auch einen gehörigen Unterhaltungswert besitzen kann. Das hat nichts mit dem Blick über den Tellerrand und auch nichts damit zu tun, jeder Scheiße den Stempel der Genialität aufdrücken zu wollen, sondern eher damit, einfach mal mit der angebrachten Portion Humorverständnis an so eine Geschichte ranzugehen.
Ich find’s jedenfalls ulkig, auch wenn diese völlig neben der Spur laufende Ka(c)kophonie genau genommen nicht wirklich an die ersten beiden Releases von FANTOMAS heranreicht. Auf eine Punktwertung kann man aber wohl dennoch verzichten …

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