Es gibt, so glaube ich, keinen anderen Weg, der so unwegsam und steinig ist, wie der Weg eines Musikers (oder um es mit einem Zitat zu sagen: „It’s a long way to the top, if you wanna rock’n’roll“). Das dürften auch die Norweger Extol im letzten Jahr mal wieder eindrucksvoll zu spüren bekommen haben. Da haut man mit „Sinergy“ 2003 ein ziemlich fettes Album raus und tourt sich anschließend den Arsch ab, um bei den Fans präsent zu sein, nur um danach auf einen Schlag beide Gitarristen zu verlieren, weil sich die beiden von der Band inzwischen zu stark vereinnahmt fühlen. 99% der Bands könnten sich einsargen lassen, wenn ihnen plötzlich beide Gitarristen über Bord springen, nicht aber Extol. Die Jungs haben sich einfach kurz geschüttelt und mit Tor Magne Glidje ihren ehemaligen Gitarristen als neuen Axeman verpflichten können, und Glidje seinerseits lieferte mit seinem Kumpel Ole Halvard Sveen den zweitenm Klampfer gleich frei Haus mit. Mit neuem Line-Up ging es dann ins Studio, um den Viertling der Band einzustielen, der dieser Tage unter dem Titel „Blueprint“ aufs metallische Volk losgelassen wird. Stellt sich die Frage, wie sich der Besetzungswechsel auf das aktuelle Material ausgewirkt hat.
„Auf jeden Fall!“ würde ich zu behaupten wagen. Kam „Sinergy“ noch recht gefällig und eingängig daher, so ist „Blueprint“ auf den ersten Durchlauf wesentlich sperriger und vertrackter ausgefallen. Gut, das muss natürlich nicht unbedingt schlecht sein, bedeutet aber, dass man sich eine Menge Zeit nehmen muss, will man sich in die insgesamt 11 Tracks ordentlich reinhören. Nimmt man sich aber die Zeit, so ist das meiner Meinung nach auch definitiv eine lohnende Angelegenheit, zumindest für Leute, die es gerne einmal verspielt und verwinkelt mögen. Geradlinige und simple Songstrukturen finden sich auf „The Blueprint Dives“ – so der inoffizielle und vollständige Titel des Albums – eher selten, vielmehr haben die Norweger beim Songwriting mehr als einmal um die Ecke gedacht und ziehen ihre Hörer über gut 50 Minuten Spielzeit durch ein Wechselbad der Emotionen. Aggressives Geknüppel und Gekreische beherrschen die Herren nämlich genauso wie die einschmeichelnden mit zuckersüßen Gesangslinien garnierten Harmonien, zwischen denen sie auch des öfteren gerne ohne Vorwarnung hin und her pendeln, oder auch die progressiven Töne, die gelegentlich sogar in melancholisch jazzigen Art Rock umschwenken. Kurz und gut: keine leichte aber dennoch durchaus eine bekömmliche Kost, was Extol dem geneigten Hörer hier bieten.
Fazit: „Sinergy“ und „Blueprint“ trennen sicherlich Welten, was die Art des Songwritings betrifft, qualitativ allerdings liegen diese beiden Alben sehr eng beieinander. Wer etwas Zeit erübrigen kann und sich mit dem aktuellen Extol Werk etwas ausgiebiger beschäftigt, wird mir da wahrscheinlich zustimmen. 10 Punkte Richtung Oslo!