Wenn man die Progressive Szene über die letzten Jahre beobachtet, dann muss man immer wieder feststellen, dass mal die ein oder andere Band ein nettes Album produziert, sich aber selten lange in der Oberliga halten kann. Die Luft scheint in dieser Liga arg dünn zu sein, so dass nur wenige Acts auf Dauer ganz oben mitspielen können. Eine der Formationen, die es aber in meinen Augen geschafft hat, in den Club der Großen aufgenommen zu werden, ist Evergrey. Nach anfänglich leicht unbeholfenem Gestolpere auf dem 98er Debüt „The Dark Discovery“ haben sich die Schweden stetig weiterentwickelt und schließlich mit „Recreation Day“ (2003) und „The Inner Circle“ (2004) zwei progressive Meilensteine in Makrolon gemeißelt.
Letzt erwähnter Platte folgte natürlich auch eine ausgedehnte Tour und um eben jene geht es bei vorliegendem Release. Denn am 09.10.2004 fand sich die Truppe mit einer ausgedehnten Setlist und allerlei musikalischer Schmankerl im Gepäck im Konzertsaal des Storan Theaters zu Göteborg ein, um mit ihren Fans 6 Jahre Bandgeschichte zu zelebrieren, und vor allem, um diesen Abend dann auch visuell und audiotechnisch für die Nachwelt zu konservieren. Die DVD zum Konzert wird irgendwann in diesem Sommer erscheinen, aber das Doppel-Live Album liegt jetzt schon vor.
Eines vorweg: Fans der Schweden werden sicherlich nicht um den Erwerb dieser Live-Scheibe umhinkommen, denn musikalisch bietet „A Night to Remember“ das volle Brett, sei es durch den Einsatz eines Streichquartetts bei „When the Walls Go Down“, sei es, dass mit „Essence of Conviction“ und „Harmless Wishes“ die Live Premiere zweier „Inner Circle“ Titel geboten wird, oder sei es, um bei „For Every Tear That Falls“ dem zauberhaften Duett zwischen Tom S. Englund und seiner Frau Carina Kjellberg beizuwohnen. Und last but not least bekommt man mit 2 CDs und insgesamt 20 Titeln immerhin auch eine ganze Menge Material geboten.
Leider kommt man auch nicht umhin, ein ziemlich offensichtliches Manko aufzuzeigen: Der Sound des Mitschnittes bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, die zumindest ich an eine Band wie Evergrey auf einem solchen Release erwartet hätte. Ich vermute einmal, dass man halt alle Hoffnung auf diesen Abend in Göteborg gelegt hat und nun mit dem Material arbeiten muss, das dort recordet wurde. Schlecht ist es zwar nicht, aber optimal klingt für mich anders. Wie dem auch sei, Klangempfinden ist ja auch eher eine subjektive Angelegenheit, vielleicht reagier ich da etwas überempfindlich. Letztendlich steht es ja jedem frei, vor Kauf in die Platte reinzuhören und für sich selber zu entscheiden, ob ihm der Klang gefällt. Ich bin allerdings auf jeden Fall gespannt, wie die Herren den 5.1 Mix auf der in Kürze erscheinenden DVD geregelt haben.
Fazit: Mit den klanglichen Abstrichen kann ich gut leben (und werde damit sicherlich nicht alleine dastehen), denn ansonsten ist „A Night to Remember“ wirklich eine Nacht, an die man sich gerne erinnert… selbst wenn man selber nicht an dem Abend in Göteborg dabei sein konnte. In meinem Player werden die beiden Silberscheiben in Zukunft jedenfalls definitiv noch mehr als nur eine Runde drehen.