Irgendetwas muss schief gelaufen sein., denn ich kannte oder besser gesagt, kenne das erste Album der Nordlichter Eternal Reign nicht und hoffe, dass ich bald in den Genuss komme. Bis es soweit ist, werde ich mich wohl oder übel mit der zweiten Scheibe “Forbidden Path“ zufrieden geben müssen. Da erwartet mich klassischer, US-geprägter Power Metal, der es mit jeder Band aus dem Genre aufnehmen kann. Nach mehrmaligem Hören der CD reifte in mir der Entschluss, ein Interview mit den Herren aus den hohen Norden zu machen. Der erste Versuch schlug fehl, weil eine Mail mit der Terminabsprache in den Tiefen des Internets verschwunden ist, aber beim zweiten Versuch klingelte das Telefon endlich und zwei hörbar gutgelaunte Musiker (Dirk/ Gesang und Micky / Gitarre) waren am Apparat.
SB: Als deutsche Band diese Art von Musik zu spielen, ist in wirtschaftlicher Hinsicht nicht gerade klug, da ihr - wohl mit voller Absicht - am Trend vorbeischippert!
ER / Dirk: Wir haben unsere Musik nicht geschrieben, um auf einen gewissen Zug aufzuspringen. Wir komponieren die Musik, die wir bevorzugen, und beziehen uns höchstens auf unsere Wurzeln. Micky ist unser Hauptsongwriter und hat nun mal eine Schwäche für US-Power Metal der alten Schule. Die meisten Texte stammen aus meiner Feder und ich bin auch ein Fan dieser Art von Musik. Logischerweise schlägt sich unser Geschmack auf die Musik nieder.
SB : Stimmt, die Texte fallen auch ein bisschen aus dem Rahmen, da sie mit Fantasygeschichten nichts zu tun haben, obwohl genau das seit ein paar Jahren hoch im Kurs liegt.
ER / Dirk: Das ist auch nicht wirklich „Our Cup Of Tea“, wir haben mit dem Fantasy - Metal Bereich eigentlich nichts am Hut.(plötzlich schallt aus den Tiefen des Telefons ein „ICH SCHON“, Gitarrist Micky scheint da persönlich ganz anderer Meinung zu sein).
SB: Wenn ich mir aber das Cover anschaue, dann könnte man auch anders denken. Hat schon ziemliche Ähnlichkeit mit dem Stargate!
ER / Dirk : Nö, denn das geht eher in die Science Fiction Schiene und auch das ganze Booklet befasst sich bildlich mit dieser Thematik. Für Fantasy Lyrics machen wir nicht die richtige Musik und dieses Thema ist derart abgegriffen. Ich bin der, der die Texte im Endeffekt singen muss, und mache mir viele Gedanken, was sich hoffentlich in den Texten bemerkbar macht.
SB: Der auffälligste Song ist „Losing Ground“, handelt es sich dabei um eine persönliche Geschichte, ein selbst erlebtes Ereignis?
ER / Dirk: „Losing Ground“ erzählt eine Geschichte, die eigentlich jeder schon in einer Zweierbeziehung erlebt hat. Ich wollte mal einen Beziehungstext schreiben, dabei ist mir aber aufgefallen, dass mir „Baby I Love You so much“ - Texte einfach nicht liegen. So bin ich die Sache etwas differenzierter angegangen.
SB: Auch eine Coverversion ziert „Forbidden Path“ und zwar „10 Seconds In“ der amerikanischen Legende Breaker. Habt ihr euch für diesen Song entschieden, weil ihr schon öfter mit den Herrschaften Live gespielt habt?
ER / Dirk: Wir haben erst einmal mit den Jungs Live gespielt und zwar im Jahre 2000. Da haben sie auch in Wacken gespielt und deswegen einen Warm Up Gig in Bremen veranstaltet. Bei diesem waren wir dann der Support, da wir „10 Seconds In“ damals bereits im Programm hatten, lag es nah, dass wir den Songs auch zusammen mit Breaker spielen. In nächster Zeit spielen wir in Bremen auf dem Wildside Festival zusammen mit Mob Rules und unseren neuen Labelkollegen Domain. Das alles findet am 21.Mai im Bremer Alladin statt.
SB: Auf eine richtige Tour wird man dann wohl verzichten müssen, oder?
ER / Dirk: Leider ja. Denn, obwohl wir eine gewisse Professionalität an den Tag legen wollen, können wir von unserer Musik nicht leben und müssen einer „normalen“ Arbeit nachgehen. Drei Familienväter haben wir auch noch an Bord und das Problem, dass wir, um auf Tour zu gehen, alle zur selben Zeit, für den gleichen Zeitraum Urlaub bekommen müssen. Trotz alledem ist Live unser Ding und wir versuchen, so oft sich die Möglichkeit bietet, aufzutreten.
Nun war es an der Zeit, dass sich Gitarrist Micky zu Wort meldet, aber ich erspare euch das US - Metal Fachgesimpel, denn ich glaub nicht, dass es von Interesse ist, wie das 86er Oliver Magnum Demo im Vergleich zum Studioalbum kling! Deswegen werd ich gleich mit der nächsten Frage weitermachen.
SB: Ein riesiges Plus von „Forbidden Path“ ist die Tatsache, dass ich mir vorstellen kann, die Scheibe in 10 Jahren noch mal zu hören und immer noch begeistert zu sein.
ER / Micky: Danke, das ist eine Sache, die wir nicht erwartet haben, als wir damals aus dem Studio kamen. Man muss wissen, dass das Album bereits ein Jahr alt ist. Nach dem Deal mit TTS hingen wir in der Luft und es war nicht klar, wo die Reise hingeht. Wir setzten dann alles auf eine Karte und spielten „Forbidden Path“ komplett auf eigene Kappe ein. Ein Jahr sind wir dann mit dem eigentlich fertigen Album hausieren gegangen, haben viel Live gespielt und so hat es halt gedauert bis LMP angebissen haben.
SB: Ein Grund für das Jahr Wartezeit könnte sein, dass ihr als deutsche Band genau zwischen den Stühlen sitzt, weil ihr weder Stampf Metal noch Happy Metal zelebriert.
ER / Micky: Das ist definitiv ein Grund für die Wartezeit und ich muss auch sagen, dass ich die deutsche Szene nicht gerade interessant finde. Der große Unterschied zwischen den glorreichen Achtzigern und heute ist nicht die Menge der Bands. Auch früher gab es viele Bands, aber viel mehr Bands mit Identität. Diese Tatsache ist bei vielen der heutigen Bands unter die Räder gekommen. Ich muss immer lachen, wenn mich gerade jüngeres Publikum anspricht, warum wir keine drei Doublebass Stücke haben und wo denn bitte schön die Melodien sind!? Ich weiß schon, was sie damit meinen, aber das machen wir nun mal nicht. Ich finde Bands wie Doomsword lustig, die von Runen und Fjorden singen, aber aus Italien stammen. Der Sänger war schon mal in Skandinavien und weiß wenigstens, wovon er singt. Es sollte einfach nur Metal sein., diese ganzen Zuordnungen finde ich mittlerweile armselig. In der großen Schublade Heavy Metal ist doch für alle Platz, man sollte sich halt nur ein Quäntchen Eigenständigkeit und Profil bewahren.
Manchmal fühle ich mich regelrecht alt und frage mich, wie lange ich das alles durchziehen will? Wie lange ich mich noch in irgendwelchen Jugendheimen zum Affen machen werde? Doch es ist das Einzige was ich kann und deswegen zieh ich das jetzt durch. Ich werde Musik machen, solange es Leute gibt, die sie hören wollen. Nur langweilig darf es nie werden und das ist bei uns glücklicherweise nicht der Fall. Wir haben mit Björn auch einen neuen Keyboarder an Bord, der auf „Forbidden Path“ aber noch nicht zu hören ist. Björn bildet einen guten Gegenpol zu mir und sagt mir direkt, wenn eine Idee Scheiße ist oder zum fünften Mal im neunten Song verarbeitet wird. Einen neuen Song haben wir im Proberaum auch schon mal angespielt und ich kann dir nicht sagen, was das war, aber es war nicht Eternal Reign. Ab April werden wir uns in ein stilles Kämmerlein verziehen und an neuen Songs arbeiten. In neun Monaten dürfen wir bestimmt auch bei unserem Label wieder mit neuen Songs auf der Matte stehen!
SB: Auch wenn ich mich wiederhole, kümmert euch doch mal drum, dass ihr mehr Live spielt und wenn, dann nicht in Bremen. Wie wär’s denn mit einem der großen Sommerfestivals?
ER / Micky: Würden wir gerne alles tun, aber wir haben im letzten Jahr so oft Live gespielt, dass es dieses Jahr einfach weniger werden muss. Natürlich trägt auch der Umstand, dass wir neue Songs schreiben müssen dazu bei.
Solche Sachen wie das Rock Hard oder Wacken Open Air würden wir natürlich schon gerne mal machen, aber da gibt es ein kleines Problem! Es rutschen eher Bands wie z.B. Communic, die ich wirklich gut finde, aufs Billing, anstatt einer deutschen Band eine Chance zu geben. Ich glaube, dass du als deutsche Band es in Deutschland eher schwerer hast. Die Tatsache, dass du nicht deutsch klingst oder den ganzen Firlefanz mitmachst, erleichtern die Sache nicht wirklich. Vorurteile gibt es auch auf den kleineren Events, alle sind supernett zu dir, du hast ein gutes Album draußen, aber du bist eine deutsche Band! Du hast gute Songs im Gepäck, aber bist eine deutsche Band! Dann siehst Du, wo deine Band im Billing steht und weißt, dass du diese Chance nutzen musst, denn wann hat man sonst die Chance, seine Musik oder Band zu präsentieren. Wenn man sich dann die Performance oder die Professionalität deiner Band anschaust, dann ist es schade. Wie viel mehr könnte man bieten, wenn man etwas mehr Spielzeit hätte, oder nicht um halb eins am Mittag auf der Bühne stehen würde.
Auch bei längeren Touren sind besonders die Skandinavier im Vorteil, weil dort die Bands oder Musiker ganz anders vom Staat unterstützt und gefördert werden. Deswegen ist es für diese Bands auch einfacher, einen Supportslot anzunehmen, und für die Labels ebenfalls, weil Terminprobleme entfallen oder gar nicht erst vorhanden sind. Touren kann auch eine ziemlich teure Angelegenheit werden, für einen Support der mittelgroßen Band XY bezahlt man schnell mal 9-10 Tsd Euronen!
Nettes Schlusswort, dass einen ziemlich nachdenklich stimmen kann! Trotzdem hoffe ich mal, dass trotzdem ein oder zwei Shows mit größeren Bands bald ins Haus stehen. Dann können auch Dirks Eltern kommen, die haben das nämlich bis heute nicht geschafft. Support your local Underground!