Die Neue Deutsche Welle ist sicherlich nichts, auf das meine Generation besonders stolz sein müsste, denn vieles was zwar damals rebellisch, lustig und cool war wirkt heute doch eher befremdlich bis peinlich. Aber natürlich gab es auch in dieser Phase das ein oder andere Highlight, das sogar heute noch durchaus gegen aktuelle Releases bestehen kann.
Die Erste Allgemeine Verunsicherung gehört meines Erachtens nach zu diesen Highlights und deren aktuelle Veröffentlichung „100 Jahre EAV“ bestätigt mich in meiner Meinung. In Doppel-CD Form und vor allem neu und zeitgemäß produziert lassen die Herren um Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger die wichtigsten Stationen ihrer Karriere Revue passieren. Aber nicht nur mit alten Hits wie z.B. „Ba-Ba-Banküberfall“, „Märchenprinz“, „Fata Morgana“, „Küss’ die Hand schöne Frau“, „Drei weiße Tauben“, „Heisse Nächte in Palermo“ oder das großartige „Burli“ präsentieren sich die spitzzüngigen Österreicher hier, sie haben für ihre Fans auch vier neue Songs im Gepäck, die sich nahtlos in das bekannte Programm einreihen.
Mit „God Bless America“, dem in meinen Augen besten der neueren Tracks, klopfen die Österreicher im wahrsten Sinne des Wortes mal ordentlich auf den Bush, und zwar in bester EAV Manier mit Textzeilen der Marke "Wer kein Cola trinkt und keine Burger isst, ist auf alle Fälle ein fucking Terrorist“, „Wir wollen keine Macht und kein Geld, sondern nur die ganze Welt." oder auch "Wir verhelfen der Demokratie zum Recht / und am besten geht das mit dem Folterknecht".
„Popstar“ beschäftigt sich auf amüsante Art und Weise mit dem nicht mehr ganz so neuen Casting – Dreck und den daraus entstehenden Eintagsfliegen, „Coconut Island“ kommt mit Sommerhit – Einschlag und „UFO“ ist vielleicht der Song unter den neuen, der sicherlich die deutlichsten NDW-Anleihen aufweist und sich entgegen aller möglicher Vermutung nicht mit außerirdischem Leben sondern mit Drogenwahn beschäftigt.
Fazit: Manche Dinge seiner Kindheit hat man oftmals in extrem guter Erinnerung und wird doch mehr als einmal enttäuscht, wenn man sich heute noch einmal damit beschäftigt. Bei der EAV tauchte dieses Phänomen glücklicherweise nicht auf, eher im Gegenteil: die Texte kommen immer noch witzig und durch die Neuproduktion schiebt das Ganze auch vom Sound her ziemlich aus den Boxen. Dank dieser Doppel-CD kann ich endlich meine ganzen 80er Jahre Radio-Mitschnitt Tapes der EAV entsorgen und die Mucke in anständiger Qualität und ohne Moderatoren-Reingequatsche genießen. Für eingefleischte EAV- und NDW-Fans und Neueinsteiger gleichermaßen anschaffungsgeeignet.