Edward Vincent Sullivan hat die Musikwelt wohl ein bisschen verändert, auch wenn er selber kein Musiker war. Eigentlich war der Mann sogar einem ganz anderen Gebiet zugetan und so schrieb er Artikel über Theaterstücke. Auch als Sportreporter konnte er sich einen Namen machen. Der Welt nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist der Mann allerdings mit seiner wöchentlichen Late Night Show, die 1948 erstmals ausgestrahlt wurde. Viele Stars verdanken dieser Show einen Karriereschub. Die Spitze der Beliebtheit erreichte die Show in den späten 50ern und zu Beginn der 60er. Genau zu diesem Zeitpunkt trat ein gewisser Elvis Aaron Presley auf den Plan und in der Show auf.
Und genau diese Shows liegen nun auf 3 DVDs verteilt in einer wunderschönen Digi-Pack Box vor. Erstmals trat Elvis am 9. September 1956 bei Ed Sullivan auf. Der Moderator hatte sich übrigens vorher monatelang geweigert, Elvis in sein Programm zu nehmen. Den Ausschlag dies doch zu tun, gaben letztendlich zahlreiche Leserbriefe der jugendlichen Fernsehzuschauer, die damit drohten, die Sendung zu boykottieren. Damals wie heute waren und sind Gelder aus der Werbung sehr wichtig und so musste sich dann auch der standhafte Moderator beugen.
Die Sendung aus dem September 1956 erreichte eine landesweite Einschaltquote von 80 %, heute sicher undenkbar. Schon vorher war klar, dass Elvis aufgrund seiner lasziven Bewegungen nur von der Hüfte an aufwärts gezeigt wurde, da konnte sich Sullivan dann doch durchsetzen. Und tatsächlich, dieser historische Auftritt zeigt nur den „halben“ King – jedenfalls fast. Elvis und seine Band legten mit „Don´t Be Cruel“, „Love Me Tender“, „Ready Teddy“ und „Hound Dog“ vier mitreißende Auftritte hin. Auch 50 Jahre(!) später hat die Darbietung nichts von ihrer Faszination verloren. Die Intensität wird durch die schwarzweiß Aufnahmen noch erhöht. Überraschend auch, wie gut das Bildmaterial und die Qualität den Zahn der Zeit überstanden haben. War Elvis bei seinem ersten Auftritt noch etwas zurückhaltender, so gab er am 28. Oktober dann den unwiderstehlichen Charmeur und trieb die schreienden Zuseherinnen mit seiner Gestik und Mimik schier in die Ohnmacht. Erneut wurde „Don´t Be Cruel“, „Love Me Tender“ und „Hound Dog“ gespielt, neu war „Love Me“. Einem Triumphzug kam dann der Auftritt im Folgejahr am 6. Januar gleich. Hier begann die Show gleich mit Elvis und einem Medley aus „Hound Dog“, „Love Me Tender“ und „Heartbreak Hotel“, bevor es mit „Don´t Be Cruel“ weiterging. Im Mittelteil der Sendung spielte der King dann „Too Much“ und „When My Blue Moon Turns To Gold Again“. Beendet wurde die Sendung wie sie angefangen hat, nämlich mit Elvis. Diesmal gab es den Song „Peace in the Valley“ zu sehen und hören.
Auch wenn Elvis damals sicher der Hauptgrund für die Zuschauer gewesen sein dürfte, die Sendung zu gucken, so gab es doch noch jede Menge anderes obskures Zeug zu bewundern. Da traten neben Artisten auch gerne mal Bauchredner auf, seltsame Gesangs- und Musikergruppen, Solisten, Comedians und jede Menge weitere Protagonisten, über die man sich auch heute noch wundern kann. Dies war sicher für die damalige Zeit und in dieser Form mutig und auch einmalig. Sehr schön, dass die gesamten Shows nun auf diesen DVDs vertreten sind und eine jede auf einer eigenen DVD vorliegt. So hat der Betrachter die Möglichkeit sich in die damalige Zeit zu versetzen und die Elvis-Auftritte im Kontext der jeweiligen Show zu erleben.
Sehr gelungen ist im Übrigen auch die Aufmachung. Das grellbunte Cover ist sicher Geschmackssache, die Box an sich aber über jeden Zweifel erhaben. Im schicken Pappschuber kommt das aufklappbare Dreier-Digi-Pack. Das Booklet besticht neben Fotografien von Elvis mit einem Text von Greil Marcus. Hut ab, da hat man sich wirklich Mühe gegeben.
Fazit: Wer Elvis nicht kennt, der hat Rock and Roll Musik wohl nicht verstanden. Jeder, der eine Vorliebe für diese Stilrichtung hat, der muss sich die ganz frühen Sternstunden dieses Genres zu Gemüte führen. Diese liebevolle aufgemachte und umgesetzte Box hier, bietet nun in sehr guter Qualität die Möglichkeit dazu. Ein Stück Zeitgeschichte, die eigentlich in keinem (Musiker-)Haushalt fehlen sollte und darf!