„Ihre Musik war unglaublich klagend und eindringlich. Schließlich fand die Kamera Blixa und ich hatte noch nie jemand gesehen, der so zerstört und krank wirkte. Schließlich öffnete er den Mund und stieß diesen Schrei aus. So etwas hatte ich noch nie von einem erwachsenen menschlichen Wesen gehört. Es klang eher wie eine gewürgte Katze oder ein sterbendes Kind.“ Mit diesen Worten beschreibt Nick Cave seine erste Begegnung mit den Einstürzende Neubauten und trifft damit den Charakter der Band zu Beginn der 80er. In Berlin ist die Zeit der Straßenschlachten, der Demonstrationen und der Häuserbesetzer. Und die Zeit der Experimente, dem Niederreißen jeglicher Konventionen – auch in musikalischer Hinsicht. Und eine der Bands, die es sich zu jener Zeit zur Aufgabe gemacht hat, die Musik von Innen heraus zu zerstören, sind die Einstürzende Neubauten, fünf dilettantische Musiker, die auf herkömmliche Instrumente verzichten und auf ‚Müll’ lärmen. Sich dabei aber nicht den gängigen Protestbewegungen zugehörig fühlen.
Die Dokumentation Seele Brennt aus dem Jahr 2000, produziert vom ZDF und ARTE ist zwar bereits etwas überholt, bietet in einer Stunde aber ein unterhaltsames, wenn auch viel zu kurzes Porträt der Kultband, die neben Kraftwerk und Can zu den wichtigsten deutschen Exportbands zählt. Gezeigt werden die Anfänge der Bands lärmend in Tunneln, ihre avantgardistischen Konzerte, das erste Interesse aus dem Ausland und schließlich der Bruch mit F.M. Einheit und Mark Gung, welche die Band auf dem musikalischen Höhepunkt verlassen. Ein Schritt, den F.M. Einheit ohne Wehmut mit den Worten „Die Neubauten sind nicht mehr eingestürzt und ich bin ausgestiegen“ kommentiert. Über die Menschen hinter der Band erfährt man dabei eher wenig: Andrew Chudy hat einige Macken. So trägt er bei jedem Flug einen Neoprenanzug, falls das Flugzeug abstürzen sollte. Alexander Hacke begab sich schon mit 15 Jahren auf Europatour, wobei seine Mutter offiziell nicht wissen durfte, wo er sich befand. Wegen dem Jugendamt. Und Blixa Bargeld werde immer exzentrischer, heißt es. Den Beweis liefert er dabei immer wieder in lakonischen Interviews, die seine Entwicklung vom Punk hin zur Diva dokumentieren. Der Fan hätte sich mehr davon gewünscht, so wie er sich überhaupt mehr Bild- und Tonmaterial gewünscht hätte. Aber bei den Neubauten ist man froh über jedes Bild…
Umso erfreulicher, dass man als Extra noch ein ‚Behind the scenes’ dazu gepackt hat. Vor dem heimischen Fernseher darf man die Band beim Produktionsprozess der Songs Redukt, Sonnenbarke, Helium und Total Eclipse Of The Sun beobachten. Intime Bilder, die man sich so immer schon gewünscht hat.
Hingegen dürfte der ebenfalls auf der DVD vertretenen Film Nihil mit Blixa Bargeld in der Rolle des ‚Visionärs’ und mit der Musik von Alex Hacke selbst für Die Hard-Fans ein harter Brocken sein.
Insgesamt für Fans ein Muss!