Rezensionen

Edgar Allen Poe Projekt: Visionen

(Gun/Sony BMG)

Autor: DJ / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Edgar Allen Poe Projekt - VisionenWenn Edgar Allen Poe die derzeitige Würdigung seiner Werke miterleben könnte, er würde sich sicherlich noch einen Schnaps zusätzlich gönnen – aber vielleicht würde er sich (auch) nicht zu Tode saufen. Tatsache ist, dass einer der bedeutendsten Schriftsteller der schaurigen Literatur zurzeit Hochkonjunktur hat. Und sich die Begeisterung inzwischen nicht mehr nur auf seine Geschichten, sondern auch auf seine Gedichte überträgt. Und vor Allem diese sind es, die auf Visionen Beachtung finden.

Dazu hat man Visionen in zwei Teile gegliedert. Auf der ersten CD tragen Schauspieler und Musiker zwölf Gedichte vor, u.a. Kai Wiesinger, Iris Berben, Dietmar Bär und Anna Thalbach. Erfreut dürfte man sicherlich über das Mitwirken von Christopher Lee sein, der nicht nur das Gedicht Ein Traum in einem Traum, sondern auch Der Rabe in Englisch vorträgt. Den Schneid kauft ihm allerdings Ulrich Pleitgen ab, der das gleiche Gedicht zuvor in Deutsch ‚aufführt’ – und wahrhaft für Gänsehaut sorgt. Großes Kino. Erwähnt werden muss auch Deros Vortrag von Traumland. Der Oomph Sänger macht dabei eine verdammt gute Figur.
Damit die Vorträge nicht zu trocken sind, hinterlegt man sie mit diversen Geräuschkulissen; der Aussage und der Atmosphäre entsprechend.

Auf der zweiten CD dürfen dann Musiker ihre Interpretationen von Poes Werk und Leben abgeben. Hier schwankt die Qualität allerdings etwas – was man aber durchaus meinem persönlichen Geschmack zuschreiben kann. Während L’âme Immortelle, Secret Discovery und Vince Bahrdt durchfallen, sind es vor Allem die Stücke in der zweiten Hälfte, die Freude machen, allen voran FM Einheit mit Der Eroberer Wurm oder die Filmmusiken von Ronald Stein und Les Baxter. Auch Subway To Sally meistern ihre Aufgabe mit Finster, Finster gut, auch wenn die Nummer wenig überraschend kommt. Ebenso wie Alexander Veljanov mit Lied für Annabel Lee. Bei Katharina Franck hätte man sich gewünscht, sie hätte ihren Platz auf der ersten CD gefunden. Ihr Vortrag ist stark, verliert aber etwas an Bedeutung, wenn die Musik einsetzt – auch wenn ich ein großer Fan ihrer Stimme bin. Weitere Beiträge kommen vom allgegenwärtigen Christopher Lee, Mara Kim und Matern vs. Die jungen Tenöre.

Leider fehlt der Promo-CD das Booklet, welches noch zahlreiche Informationen über die Intention der Künstler enthalten soll. Dennoch lässt sich Visionen sicherlich als runde Sache bezeichnen, auch wenn mir die zweite CD etwas experimenteller hätte ausfallen dürfen.

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