Wohl kaum eine Band, versteht es so gut, Punkrock mit einer Prise Irischem Folk zu vermischen wie die Dropkick Murphys. Seit guten 10Jahren sind sie jetzt schon dabei und zeigen keinerlei Müdigkeit. Ihre Popularität hier in Europa nimmt auch immer weiter zu, so dass fast 5000 Leute beim Konzert im Münchner Zenith anwesend waren. Ich war sehr glücklich, dass Murphys Sänger Al Bar vor dem Konzert noch Zeit für ein kleines Interview fand.
SB: Kannst du dich erstmal unseren Lesern vorstellen?
AB: Al Bar, Sänger bei den Dropkick Murphys.
SB: Wie läuft die Tour?
AB: Toll, wir sind jetzt gerade mal eine Woche hier aber es läuft alles sehr, sehr gut!
SB: Mit welchen Bands seid ihr auf der Tour unterwegs?
AB: Less than Jake und Far From Finished aus Boston.
SB: Gefällt dir Europa?
AB: Ja ich liebe es.
SB: Hast du auch ein Lieblingsland hier?
AB: Ja. die Niederlande und Deutschland.
SB: Magst du auch die Spezialitäten, die es hier gibt?
AB: Das Essen in Deutschland schmeckt mir sehr gut. Knödel und Schweinebraten sind klasse.
SB: Eure letzte CD „The Warriors Code“ ist jetzt seit gut 10 Monaten erhältlich. Arbeitet ihr schon an einer neuen CD?
AB: Ja, zum Teil schon, wir befinden uns gerade in der Anfangsphase, d.h. wir schreiben neue Lieder. Wir haben die letzte Zeit sehr viel veröffentlicht, normalerweise bringen wir immer alle 2 Jahre ein neues Album raus, aber wir haben ja „Tessie“ veröffentlicht und davor „The Singles Collection Vol.2“ und dann „Warriors Code“ von daher werden wir jetzt erstmal einen Gang runterschalten, da wir ja auch viel auf Tour sind zur Zeit.
SB: Ihr singt ja den Theme-Song für die Boston Bruins und für die Boston Red Socks, wie kam das zustande?
AB: Das Lied für die Bruins kam zu erst zustande, wir schreiben ein Lied namens „Black and Gold“ in dem es über Eishockey geht. Wir hatten dann die Möglichkeit bei einem Spiel der Boston Bruins aufzutreten, in den Drittelpausen spielten wir Black and Gold und nach dem Spiel spielten wir noch eine 50minütige Show und ein Großteil des Publikums blieb dort, um uns zu sehen. Seitdem haben wir das aus diesem Grund deswegen noch öfter wiederholt. Bei der Red Socks Geschichte kontaktierte uns ein Autor vom „Boston Globe“ und sagte uns, dass er das alte Lied „Tessie“ wieder gefunden hat, dass damals immer gespielt wurde, als die Red Socks noch alles gewannen. Wir nahmen „Tessie“ neu auf und veränderten es in einen typischen Dropkick Murphys Song. Dann kamen wir mit den Vorsitzenden der Red Socks in Kontakt und sie fingen an, das Lied während des Spiels über die PA zu spielen. Danach luden sie uns ein, auf dem Spielfeld zu spielen, was wir jetzt auch schon 3x machen durften, und sie gaben uns die Möglichkeit, beim „Victory-Dinner“ zu spielen, nachdem die Red Socks die Meisterschaft gewannen. Das war einfach eine tolle Möglichkeit für uns.
SB: In eurer Musik findet man viele Einflüsse irischer Musik, wie kamen die zustande?
AB: Die ganze Band hat irische Vorfahren, ausgenommen ich - ich bin schottisch und deutsch. Aber wir sind eine Amerikanische Punkrock Band, und von daher vermischen wir viele verschieden Sachen, so eben auch irischen und amerikanischen Folk. Wir sind eine amerikanische Band und versuchen nicht wie eine irische Band zu sein und deshalb wirst du uns auch nicht Gälisch reden hören auf der Bühne. (lacht)
SB: Aus welchen Gründen habt ihr die Band gegründet?
AB: Ich mache schon Musik seit ich 15 bin … (sein Handy klingelt), entschuldigst du mich einen Moment?
SB: Klar, kein Problem. (Al Bar telefoniert weiter)
AB: So entschuldige noch mal, war meine Frau. Also wie gesagt mache ich jetzt schon seit fast 23Jahren Musik, das war schon immer das, was ich in meinem Leben machen wollte. Die anderen in der Band würden wohl das Gleiche sagen. Es ist schließlich das Einzige, was wir können, und es ist einfach unser Leben.
SB: Was würdest du machen, wenn du nicht bei den Dropkick Murphys spielen würdest?
AB: Ich würde wohl mein eigenes Ding machen, aber das wäre wohl immer noch Musik, sei es jetzt bei den Murphys oder wo anders. Ich habe ja auch vor den Dropkick Murphys 10 Jahre in einer anderen Band gespielt. Meine Arbeit ist nun mal Musik machen und mit den Dropkick Murphys haben wir nun mal das Glück, dass wir davon leben können und gar keine Zeit für einen Nebenjob oder so etwas haben, da die Band einfach unsere ganze Zeit abverlangt.
SB: Wie würdest du einen typischen Dropkick Murphys Tag auf Tour beschreiben?
AB: Aufstehen, aus dem Tourbus aussteigen, versuchen einen Kaffee zu finden und einen Ort, um aufs Klo zu gehen. Danach Soundcheck, alles in allem ist das Touren ganz schön langweilig, bis man endlich auftritt. Den restlichen Tag wartet man eigentlich nur darauf. Es ist nicht sehr romantisch, wir sehen z.B. nichts von München heute, da wir Soundcheck usw. haben und nicht hier wegkommen, da wir hier ja voll in der Pampa sitzen. Das einzige was ich heute machen konnte, war zu dem Flohmarkt hier zu gehen, und da gab es wirklich nur Scheiße, lauter Sachen die ich niemals in meinem Haus haben möchte und ich würde Leute bezahlen, dass sie diesen Müll aus meinem Haus schaffen würden. (lacht)
Leute denken immer Touren sind sehr romantisch und dass man jeden Abend ein neues Mädl hat, aber wir sind alle verheiratet oder führen ernste Beziehungen und darum geht es ja nicht. Uns geht es einfach um die guten 1,5h Auftritt, die Einigkeit mit unseren Fans, und dass wir eine gute Show abliefern.
SB: Wie würdest du die Dropkick Murphys in einem Satz beschreiben?
AB: Irischer-Punkrock aus Boston.
SB: Was waren deine Lieblingsbands in deiner Jugend und welche haben die Dropkick Murphys beeinflusst?
AB: Als ich jünger war, hörte ich viel Beatles und Elvis. Als ich dann älter wurde, so in der 7-8 Klasse hörte ich viel Jimi Hendrix und anderen Rock’n’roll. So in der 9ten Klasse kam ich zur Punkmusik; Sexpistols, Ramones, The Clash und auch amerikanischen Hardcore wie Dead Kennedys, Youth Brigade, 7Seconds, Misfits. Alles Mögliche aus meinem Leben hat die Dropkick Murphys beeinflusst. Wir haben natürlich offensichtliche Einflüsse wie The Pogues und die traditionelle irische Musik. Aber auf der anderen Seite hat uns auch alles von den Ramones bis zu AC/DC inspiriert und beeinflusst. „Ein großes Mischung halt“ (sagt er selber in Deutsch)
SB: Wäre ein Majorlabel interessant für die Dropkick Murphys?
AB: Wir sind nicht die Band die von Grund aus mal sagt, nein wir werden nie zu einem Majorlabel gehen. Aber wenn ein Majorlabel bei uns anfragen würde, sollte alles nach unseren Vorstellungen laufen und nicht so wie sie es wollen, aber so funktionieren Majorlabels ja leider nicht. Sie wollen dir sagen, wie du es machen sollst und so geht das bei uns nun mal nicht. Wir haben - so wie es halt auch im Moment ist - immer die vollständige Kontrolle und Macht über unsere Musik. Wir könnten uns nie vorstellen, eine Demo aufzunehmen und dieses dann vor lauter Leuten in Anzügen zu spielen, bevor wir ins Studio gehen können. Von ein paar Bands habe ich gehört, dass sie das machen mussten. Den Leuten gefiel die Musik nicht und sie sagten sie sollen mal noch mehr neue andere Demos aufnehmen und dieses dann noch einmal vorspielen. „Fuck that!“, ich meine, hier ist unsere CD, nehmt sie oder nehmt sie nicht! So funktionieren die Murphys nun mal, ich würde grundsätzlich nicht nein zu einem Majorlabel sagen, wenn sie uns den Vertrag geben, den wir möchten, aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass so etwas existiert.
SB: Was war eure beste und schlechteste Show?
AB: Uff, das ist schwer festzumachen, da es nun schon so viele Jahre sind, in denen ich Musik mache. Ich hatte schon immer mal schlechte Konzerte, wo ich z.B. von der Bühne fiel oder sonst etwas. Als wir zum ersten Mal bei der Warped Tour in Boston 1998 auftraten, haben wir davor mit einer anderen Band getauscht, so dass wir auf der Hauptbühne spielen können und gaben ihnen dafür unsere Hauptbühne in Buffalo. Ich kann mich noch gut daran erinnern, meine ganze Familie war da und über 10.000 Leute standen vor der Bühne und warteten auf uns. Das war einer der Tage, an dem ich vom Blitz hätte getroffen werden können und wäre als glücklicher Mann gestorben, da es einfach ein großartiger Tag war. Es geht einfach immer weiter bergauf für uns, heute z.B spielen wir unsere größte Club-Show mit über 4.000 verkauften Karten im Vorverkauf. Es gibt einfach so vieles wofür wir sehr dankbar sind und deshalb kann ich nicht genau sagen, was unser bestes und was unser schlechtestes Konzert war.
SB: Magst du es, Autogramme zu geben, oder ziehst du es vor, mit den Leuten ein wenig zu plaudern?
AB: Wenn irgendjemand ein Autogramm oder so von mir haben will, hab ich natürlich kein Problem damit. Ich finde es doof, wenn Leute sagen, sie machen das aus Prinzip nicht, wenn nun mal ein Fan oder jemand so etwas haben möchte, dann macht man es auch. Wenn mich irgendjemand anspricht und ich Zeit habe, rede ich immer gern mit Leuten. Wir sehen uns nicht als bessere Menschen oder sonst was, nur weil wir auf der Bühne stehen. Wir sind sehr glücklich, dass wir in der Lage sind, das tun zu können, was wir tun. Meiner Meinung nach gibt es viel wichtigere Berufe als Musiker, nämlich einen Doktor oder sonst etwas.
SB: So, ich danke dir das war’s.
AB: Kein Problem, ich sage auch danke und bis später bei der Show.
(Photo Copyright by Paul Harries)
Dropkick Murphys forever *smile*
Weiter so Leute
Comment by Daniel — April 9, 2007 @ 3:15 pm