Doi treten als weitere Band aus Skandinavien den Beweis an, dass es hoch oben im Norden Musik gibt, die definitiv anders ist, aber fast immer herausragend. Gut, so weit oben im Norden liegt Dänemark jetzt nicht, aber man merkt den fünf Jungs schon deutlich ihre Herkunft und ihre musikalische Sozialstation an. Mit „Sing The Boy Electric“ tritt die Band nun mit 10 Tracks an, die Welt zu verzaubern.
Wobei der erste und der letzte Song eigentlich als Intro und Outro bezeichnet werden muss. Ruhige Soundlandschaften bereiten den Hörer entsprechend auf das Album vor bzw. entlassen ihn sanft, um das eben gehörte sacken zu lassen und verarbeiten zu können, nur um gegen Ende noch mal die komplett verstörende, aber doch schöne musikalische Bandbreite aufzufahren. Dazwischen gibt es die großen und kleinen Momente der ausufernden Popkunst, irgendwo angesiedelt zwischen Sigur Ros und Sonic Youth. Die Band bewegt sich dabei hauptsächlich im zur Zeit sehr angesagten „Shoegazer Genre“. Die Platte selber beginnt eigentlich erst bei Track zwei „In Your Sigh“ nach knapp 1 ½ Minuten Spielzeit. Vorher herrscht überwiegend gepflegte Ruhe. Schon hier fällt auf, dass hier die gesamte Aufmerksamkeit des Hörers gefordert ist, Kopfhörer sind da fast schon Pflicht. Besonders bei dem tieftraurigen „Missing“ hört man deutlich heraus, wo Doi ihre Inspiration her haben – Island dürfte da ganz weit vorne liegen. „Cars. Alarms.“ glänzt in ruhigem Fahrwasser dann sogar mit sanften Anleihen am Jazz. Sehr schön, sehr entspannend und doch so traurig und mitreißend. „Beneath The Breeze“ legt dann noch eine Schippe drauf und baut ganz große Soundlandschaften auf, nur um bei einsetzendem Gesang fast komplett zusammenzubrechen und die Ruhe vor dem Sturm zu bewahren. Wenn Musik Bilder und Landschaften malen könnte, so wie hier würde sie dann wohl klingen. „Where Rivers Turn“ läutet dann Runde zwei ein. An dieser Stelle muss man sich zwangsläufig fragen: Ist das Kunst? Mit Sicherheit ja, ganz große sogar, ohne künstlich zu klingen. „Ponds“ überrascht dann schon ein wenig beginnt es doch mit einem Gitarrenthema. Aber keine Angst, die Band bleibt ihrer bisherigen Linie treu. „Crained Departures“ fällt dann gegen den Rest des Albums etwas ab bzw. gehen den Fünf hier etwas die Ideen aus, klingt dann doch etwas austauschbar. „Unraveled And Tangled“ ist vor dem großen Finale dann wieder eine kleine Steigerung.
Fazit: An die Könige dieses Fachs Sigur Ros kommen Doi nicht ganz heran, zumal bei den Kollegen der Gesang einfach schöner daher kommt. Nichtsdestotrotz besteht „Sing The Boy Electric“ zu großen Teilen einfach aus wunderschönen Soundlandschaften, anderswo würde man jetzt wohl sagen, die zum träumen einladen. Über kleinere Stockfehler sieht und hört man da gerne hinweg und es muss ja auch noch die Möglichkeit zur Steigerung geben. Einstweilen Daumen hoch!