Zehn Jahre ist es her, dass Savatage Big Boss Jon Oliva und sein königlicher Gitarrist Chris Caffery ein wenig Zerstreuung zu ihrem harten Bandalltag suchten und Doctor Butcher aus der Taufe hoben, um dort all die Ideen zu verbraten, die nicht so recht zur Hauptband passen wollten.
Allerorten fand sich auch sofort klatschwütiges Volk ein und bejubelte das gleichnamige Debüt, als sei dies das Beste seit der Erfindung der Currywurst. Das Volk, einmal von der vermeintlichen Genialität dieses Releases angefixt – verlangte bald natürlich nach mehr Material dieses Projektes, aber der Bergkönig und sein Scherge wollten dieses Verlangen bis heute nicht stillen. Inzwischen sind die Rufe der damals Süchtigen leiser geworden, so dass seine königliche Hoheit entschied, die nächste Generation seiner metallischen Jünger auf die Dr. Butcher Droge zu bringen. Also schnell den Master der Debütdroge aus dem Safe gekramt und das Ganze noch mit ein wenig Bonusmaterial wie diversen Demosongs und einem ebenfalls 1993 geschriebenen und jetzt extra recordeten Song („Inspecter Highway“) aufgepeppt, um neben den neuen Opfern auch die alten, noch verbliebenen Jünger wieder auf teuflischen Kurs zu bringen. Ein schönes neues Coverbild gibt’s natürlich auch dazu, denn der Stoff sollte natürlich in einem zeitgemäßen Design daherkommen…
…wer jetzt nach dieser Beschreibung den Eindruck bekommen haben sollte, dass sich meine Begeisterung über diesen Release in Grenzen hält, der liegt wahrscheinlich damit gar nicht mal so neben der Spur. Für mich war das Doctor Butcher Projekt damals schon irgendwie Savatage Ausschussware und das ist schon schlimm, wenn man bedenkt, dass eben jene Savatage zum damaligen Zeitpunkt mit ihren Alben auch nicht unbedingt was gerissen haben. Einziger Pluspunkt damals war, dass hier der Mountain King zum ersten Mal wieder selbst gesungen hat, aber das hat er sich heute ja auch nicht mehr unbedingt Seltenheitswert, so dass dieser Aspekt 2005 irgendwie wegfällt.
Anyway, natürlich kann man sich vorliegende Platte so zwischendurch mal geben, aber ob sich die Welt ohne dieses Werk nicht weiterdrehen würde ist doch sehr zweifelhaft. Wer nicht genug von Onkel Jon bekommen kann, der soll ruhig einen Kauf in Erwägung ziehen, aber ich lege mir, wenn ich Oliva singen hören will, doch nach wie vor lieber Savatage’s „Hall of the Mountain King“ oder die „Gutter Ballet“ ein. Ohne Wertung!