Inhalt: Die Flasche mit dem Teufelselixier stammt aus dem Nachlass des Heiligen Antonius. Jetzt soll der Kapuzinermönch Medardus diese gefährliche Reliquie nach Rom bringen. Aber der Teufel ist ihm dicht auf den Versen und so erlebt Medardus Dinge, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hätte.
Warum Die Elixiere des Teufels in der Schwarzen Serie und nicht in der eigentlich E.T.A. Hoffmann Serie von Maritim gelandet sind, fragen sich sowohl Käufer und Kritiker. Die Antwort ist recht einfach: die Umsetzung, die Interpretation des gleichnamigen Schauerromans von Hoffmann ist eine recht freie. Vom ursprünglich äußerst komplexen, schwer lesbaren Werk, das die wirre Handlung in hypotaktischen Satzstrukturen darlegt, finden sich nur die Grundrisse im Hörspiel wieder. Und selbst diese wurden zum Zwecke der Handlungsstraffung und Vereinfachnung noch neu gezeichnet.
Schon der Beginn des Hörspiels weicht daher von Original ab. Hat Hoffmanns Mönch Medardus eine bewußte Vergangenheit, die ihn schon früh mit Schuld belegt - soll er doch für die Sünden seines Vaters büßen -, wächst ihm Hörspiel Medardus als Waise in einem Kapuzinerkloster auf. Im Buch tritt er diesem Kloster erst später bei. Der Hörspiel-Medardus wird erst nach aufgezwungenem Genuss der Elixiere von sündigen Gedanken befallen und begeht seine Verbrechen, im Buch zeigt sich seine zwiegespaltene Persönlichkeit, seine vom gesellschaftlichen Leben verführte Geistigkeit schon an früherer Stelle. Überhaupt fällt die Ambivalenz der Medardus Persönlichkeit der Schere zum Opfer. Das Doppelgängermotiv des Originals findet sich im Hörspiel somit ebenfalls in reichlich schwacher Form. Manche Begebenheit, die für den Hintergrund im Buch unerlässlich ist, findet im Hörspiel nicht einmal Erwähnung, so dass schließlich zum Schluss, wenn der Maler Francesco Aufklärung gibt, der ursprünglich über Jahrzehnte von sexuellen Ausschweigungen, Betrug, inzestiösen Beziehungen, Blasphemie und dämonischer Schicksalssteuerung geprägte Stammbaum des Medardus zu einem Stiefmütterchen verkommt.
Leider macht aber gerade dieses ‚Wer zeugte mit wem wen wann wo und unter welchen Umständen’ und die Erkenntnis, wie ein alter Fluch die Verbrechen des Medardus schon determiniert hat, einen großen Reiz des Originalbuches aus - auch wenn dies einen anstrengenden Leseprozeß voraussetzt. Das Labyrinthische der Schauernovelle wird somit in eine einfache Handlung umgewandelt. Die Sprache erfährt ebenfalls eine Modernisierung und wird nicht, wie im Falle der Sandmann-Umsetzung, im schwülstigen Stil des 19. Jahrhundert belassen. Das Unheimliche, der Wahnsinn des Originals verläuft sich im Hörspiel aber auch im Sand. Die Geschichte ließe sich eher als merkwürdig bezeichnen, das Ende gar als gezwungen - für den Kenner des Originals sogar als enttäuschend. Wer allerdings nicht über Vorkenntnisse verfügt, bekommt eine phantastische, etwas konstruiert und bemüht wirkende Erzählung mit dem Flair des 19. Jahrhunderts geboten, die vielleicht einlädt, es trotz Hoffmanns schwerem Stil doch einmal mit dem Buch zu versuchen. Der Hörer wird sich aber trotz der in meinen Augen recht dürftigen Handlung dennoch vor allem über das engagierte Spiel von Frank Glaubrecht in der Rolle des Medardus freuen. Gerne hätte ich ihn aber in einer ausschweifenderen Umsetzung erlebt.