Inhalt: Der Mathematikstudent Malcomson zieht in ein altes, leerstehenden Haus ein. Schnell nimmt er merkwürdige Geräusche wahr. Durch Mäuse und Ratten aufgeschreckt, will er mehr von dem früheren Besitzer des Hauses erfahren und begibt sich somit in größte Gefahr…
Kritik: Das Haus des Richters aus der Feder von Bram Stoker kam erst vor kurzem zu Hörbuchehren. LPL Records vertonte die Erzählung in der Kurzgeschichtensammlung Draculas Gast und ließen Lutz Riedel über die Erlebnisse des berichten. Wie schon bei der Sherlock Holmes-Folge Der Vampir von Sussex erneut eine unglückliche Ausgangssituation für das Dortmunder Label. Auch wenn sich bei der Version aus dem Haus Maritim deutliche Unterschiede finden lassen, so liegt die Geschichte nun schon einmal erst kürzlich vertont vor. Da überlegt man schon zweimal, ob man Geld locker macht.
Doch zu den Unterschieden. Auffälligster Unterschied dürfte der Versuch sein, die Geschichte in ein Hörspiel zu verpacken. Ganz gelungen ist dies nicht, da auch hier die Erzählung sehr erzählerlastig ist und nur durch gelegentliche Dialoge und Geräusche aufgelockert wird. Den Hauptteil der Erzählung trägt aber sicherlich Sprecher Bodo Primus. Der leiht nicht nur dem Mathematikstudenten Malcomson seine Stimme, sondern schildert die vergangenen Ereignisse im Haus der Richters aus gegenwärtiger Sicht. Dies kann der Hörer als deutlichen Wink auf ein vom Original abweichendes Ende sehen, denn im Original wird die Geschichte von einem neutralen Erzähler vorgetragen. Ein Blick ins Booklet erklärt die Differenzen zwischen Original und Hörspiel: „Frei nach der Kurzgeschichte…“ Allerdings muss Dennis Hoffmann sich für seine Bearbeitung Kritik gefallen lassen: Er streckt die Kurzgeschichte nicht nur durch überflüssige Dialoge und zähe Monloge auf eine Länge von 90 Minuten, sondern stiehlt durch das umgeschriebene Ende der Geschichte ihre Pointe. Fatal, denn nicht nur das die Geschichte schlicht zu lang ausgefallen ist, nein, man raubt ihr auch noch das bessere Ende.
An der Produktion selber, an Sprecher, Musik und Geräusche, lässt sich hingegen nicht mäkeln. Bodo Primus macht seine Sache gut, auch wenn man ihm den jungen Studenten aufgrund seiner gereiften Stimme nicht abnimmt. Die Musik ist auch sehr stimmig und weckt vor allem zu Beginn der Erzählung Neugierde. Und zum Showdown gibt es natürlich das obligatorische Gewitter. Hätte, ja hätte gut werden können, hätte man sich auf eine CD beschränkt, die Dramaturgie angeschraubt und sich mehr am Original gehalten. In diesem Fall ziehe ich aber deutlich die Version der ‚Konkurrenz’ vor.