Rezensionen

Die Psi-Akten: Kaltes Grauen (4)

(Maritim)

Autor: DJ / Wertung: 6.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Die Psi-Akten - Kaltes Grauen (4)Inhalt: "Position 4" - eine sechsköpfige Crew lebt seit geraumer Zeit in der Antarktis, um dort die veränderten Werte des Ozonlochs festzuhalten. Ein kleiner Fund vor Ort erschwert die Arbeit jedoch erheblich. Im tiefen Eis eingeschlossen kämpft die kleine Gruppe gegen den kalten Tod, der nur eines möchte - ihr Leben!

Viel Zeit hat man sich mit der doch mit einiger Spannung erwarteten vierten Folge der Psi-Akten gelassen. Und der Titel Kaltes Grauen erweckt durch die sensorische Metaphorik die Assoziation mit einem nicht-fassbaren Schrecken, wie er die zweite Folge Burning Grace – Wald der Todgeweihten zur bislang empfehlenswertesten Episode der Psi-Akten machte. Die knappe Spielzeit von 37 Minuten lässt außerdem hoffen, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert. Leider streckt sich selbst diese kurze Dauer des Hörspiels wie altes Kaugummi. Denn Kaltes Grauen zeichnet sich vor allem durch Überraschungsarmut, Ideenlosigkeit und Vorhersehbarkeit aus.

Das Motiv der Wissenschaftler und deren Handlanger in einer einsamen Forschungsstation sei es nun in der Antarktis oder irgendwo in den Weiten des Weltraums ist alles andere als neu. Und so bedarf es nicht unbedingt viel, um ein solches Szenario zu visualisieren. Die Lebendigkeit des Szenarios resultiert aber aus weitaus mehr, als nur einer Beschreibung der Kulisse. Es werden Charaktere benötigt, der Hörer verlangt nach Handlung. Die Charaktere bleiben trotz großer Sprechernamen (Christian Rode, Konrad Halver, Joachim Kerzel) reichlich gesichtslos. Die Handlung verläuft in der gewohnten Linearität, wie sie von den Gesetzen solcher Erzählungen vorgeschrieben wird. Das Verschwinden der einzelnen Forscher nach dem Negerlein-Prinzip berührt nicht wirklich und besitzt kein Gewicht. Der Showdown präsentiert sich dem Hörer als Erlösung, der sich über eine halbe Stunde mehr gelangweilt als unterhalten gefühlt hat. Wolfgang Strauss als Autor gelingt es schließlich nicht einmal, die Pointe der Geschichte direkt in der Erzählung einzubringen, sondern hängt diese beinahe lustlos durch den Erzähler an.

Nach den ersten drei Folgen hatten einige zumindest die Hoffnung, dass man mit den Psi-Akten die als Kult verehrte H.G.Francis Neonserie wieder aufleben lassen würde. Zwar war das bisher abgelieferte sicherlich noch nicht das schmackhafteste Gelbe vom Ei, aber ein zuversichtlich stimmender Anfang. Kaltes Grauen enttäuscht mich ebenso wie das in ähnlicher Kulisse stationierte Alien vs. Predator. Wenn man dann überwiegend bei der Schneelandschaft und der durch den Titel herauf beschworenen Assoziation an Lovecrafts Berge des Wahnsinns denken muss, muss Kaltes Grauen aufgrund seiner geringen Atmosphäre und Harmlosigkeit einfach floppen. Pandoras Play haben außerdem vor einiger Zeit mit geringeren Mitteln und weniger kompetenten Sprechern gezeigt, dass man aus dem Stoff wesentlich mehr machen kann . Und dort funktionierte das gestaltlose Grauen als Stilmittel auch (s. Klirrende Kälte). Hoffentlich bleibt die vierte Folge der Psi-Akten ein einmaliger Ausrutscher. Vielleicht sollte man Dennis Hoffmann als Autor mal ranlassen. Der hat bei der letzten Dan Shocker Folge - trotz einiger erwähnter Mängel - gezeigt, dass man klassischen Horror auch heute noch interessant niederschreiben kann.

No Comments »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Leave a comment

Verwandte Artikel

Weitere Artikel des Autors

Aktuelle News

Aktuelle Artikel

Navigation


© Dirk Janßen, Webdesign, Webanwendungen & Content Management Systeme.

Sound Base Online Magazin Powered by WordPress - Inhaltsverzeichnis