Was die wenigstens wissen - Die Happy gibt es nun auch schon geschlagene zwölf Jahre. Bereits 1994 gründete die aus Prag kommende Marta mit dem Gitarristen Thorsten die Band. Freilich dauerte es noch eine Weile bis letztendlich die heutige Bandbesetzung gefunden wurde. Auch ließ ein Plattenvertrag noch einige Zeit auf sich warten. In der Zwischenzeit tourte sich die Gruppe förmlich den Arsch ab, um im Frühjahr 2000 dann endlich ihre Majorscheibe einzuspielen, die dann 2001 erschienen ist. Schnell wurden Vergleiche mit den Guano Apes gezogen und sogar gab es den ein oder anderen Plagiatsvorwurf. Alles Quatsch! Nur weil beide Bands eine Frau am Mikro haben und einen ähnlichen harten Sound vorweisen können? Zudem spricht das Jahr der Bandgründung von Die Happy ja auch eindeutig dagegen. Der Vierer erfreute sich dann auch zunehmender Bekanntheit und konnte den ein oder anderen Erfolg einfahren. Die Albumproduktionen wurden größer und größer und der eher raue Sound musste poppigeren Klängen weichen. Nun folgt mit „No Nuts No Glory“ die nächste Langrille. Dürfte interessant sein, ob die Band den eingeschlagenen Weg weiter verfolgt.
Nein, tut sie nicht. Natürlich sind Die Happy immer noch Die Happy, aber auf dem neuesten musikalischen Streich haben (endlich möchte man sagen) wieder die Gitarren die Oberhand gewonnen und es sind vermehrt rockige Töne zu vernehmen. Interessant ist auch der Entstehungsprozess und die Geschichte von „Not Nuts No Glory“. Eigentlich hatte die Band schon (wieder) ein ganz anderes Feld beackert und in einem abgelegenen Ferienhaus in Mecklenburg-Vorpommern ein ganz anderes Album aufgenommen. Die Demos waren wohl dem alten Trott angepasst. Am letzten Tag des dortigen Aufenthalts wurde dann noch ein Song mit dem Titel „Okay“ aufgenommen und plötzlich loderte eine Flamme auf, die fast schon erloschen schien. Der Songs war wohl viel ursprünglicher und roher, als alles, was die Band vorher gemacht hatte. Diese hatte nun Blut geleckt. Die bisherigen Aufnahmen landeten allesamt in der Tonne um dann in Berlin von früh bis spät an neuem Material zu arbeiten. Erarbeitet wurde ab jetzt alles in Jam Sessions und nicht am PC. Interessant dürfte auch sein, dass „Okay“ schließlich nicht auf dem Album landetet, zeichnete sich dieses Stück doch für die neue Herangehensweise verantwortlich.
Ja die Scheibe rockt wirklich. Keine Keyboards, kein Brimborium, kein Schnickschnack. Schon der Opener „Addictive“ macht klar, wo hier der Hammer hängt – voll auf die zwölf. „Wanna Be Your Girl“ hält das Tempo weiter oben und fährt Bleifuß die Gerade entlang. Dürfte klar sein, dass Tempo und Härte nicht über ein gesamtes Album so hoch gehalten werden können und so gibt es bei „Hello“ dann erstmals auch ruhigere Töne zu vernehmen. Wohlgemerkt ruhigere, wir reden hier von keiner Ballade. Entfernt erinnert das Stück irgendwie an Garbage. Sehr stimmungsvoll, der französische Mittelteil ist auch sehr passend. „None Of Your Business“ brettert dann wieder bei voller Fahrt weiter. „Cherry Girl“ ist dann irgendwo im Midtempo-Bereich angesiedelt. Nicht besonders spektakulär, der Refrain reißt aber einiges raus und hebt den Song insgesamt noch mal eine Stufe höher.
Wie die erste Albumhälfte fängt auch die zweite an - „Attitude“ rockt. „The Ordinary Song“ hält die Flamme dann weiter am brennen, plätschert allerdings auch ein bisschen so dahin. Was allerdings schon für „Cherry Girl“ galt, der Refrain reißt es dann auch hier wieder. Melancholisch wird es dann bei „Whatever“, dem ersten richtig ruhigen Song. Passt aber hervorragend an diese Stelle, sehr gelungener Track. Mit „You Cry“ haut die Band danach ein sehr melodisches Brett raus. „Extraordinary Me“ bildet dann den rockigen Rausschmeißer. Yeah!
Fazit: Die Scheibe braucht schon ein paar Durchgänge. Ja es rockt und es scheppert und die Indie-Disco von nebenan hat hier jede Menge Nachschub bekommen. Allerdings hört sich erstmal vieles auch gleich an. Auf der anderen Seite war es noch nie ein schlechtes Zeichen, wenn ein Album mit jedem Hören wächst. „No Nuts No Glory“ wächst und wächst. Schön, dass die Band ein so rockiges Album hingeknallt hat.