Thrash Metal wird heute vor Allem aus bekannten Zutaten generiert, man hört eher Bekanntes denn Neues. Beinahe erscheint es, als gebe es einen Setzkasten für Thrash Metal Songs, bei dem sich junge Bands bedienen können. Bewusst oder unbewusst zitieren sie dabei ihre Vorbilder, setzen die einzelnen Elemente mehr oder weniger gekonnt zusammen. Es ist sicherlich ein Happening, wenn einem eine Scheibe unterkommt, die so noch nicht vorlag.
Diablo aus der nordischen Trash Metal Exportregion Finnland sind sicherlich auch keine Gruppe, die das oft zitierte Rad neu erfindet. Auch auf Mimic47 findet man reichlich Bekanntes, an manch einer Stelle kommt einem sogar der Satz „wie aus dem Lehrbuch“ in den Sinn. Und dennoch schwingt bei dem Quartett ein wenig der Hauch der Eigenständigkeit mit, man möchte bei ihnen nicht von der x-ten The Haunted, At the Gates, Destruction oder Slayer-Kopie sprechen. Wenn man Bands zitieren darf, dann doch eher technisch-verliebte Gruppen wie Megadeth, Meshuggah oder Anacrusis. Denn bei den Finnen paart sich ansprechend Härte und Melodie. Und wird veredelt durch starke Leadduelle und Soli, die den Songs Würze verleihen. Und selbst der raue Gesang von Shouter Rainer Nygard passt noch irgendwie dazwischen – besonders weil der Mann in klaren Momenten an das rotzig-nörgelnde Organ Dave Mustaines erinnert. Und ‘Nomen est omen’ wird im Booklet die Platte auch Chuck Schuldiner gewidmet.
Eingängig kann man Mimic47 dabei nicht nennen. Anfangs finden die einzelnen Nummern so gar nicht ihren Weg ins Gehör, man hadert vor allem mit der stark im Midtempo-Bereich angesiedelten Ausrichtung der Gruppe, die auch häufig Akkustikbreaks zulässt, die aus manch schleppender Nummer zusätzlich Fahrt rausnehmen (In Sorrow We Trust). Gerade der Titeltrack Mimic47 entpuppt sich dabei als erst nach und nach ins Ohr wandernde Nummer. Wesentlich eingängiger sind dann schon Feger wie Blackheart oder D.O.A.. Oder das mit weiblicher Stimme gespickte Damien.
Zeit, Mimic47 braucht vor Allem Zeit. Etwas, was man einer Scheibe aus diesem Genre selten gibt. Wenn man die CD aber mindestens zehn Mal rotieren lässt, wird man nach und nach einen Juwel in ihr entdecken. Und nicht zuletzt wegen der zwar stark am Original gehaltenen, aber trotzdem deftigen Duran Duran Coverversion A view to a kill hat Mimic47 schon jetzt einen festen Platz in meinem CD-Regal.
