Der Hörer muss früh entscheiden: Zeitlos, oder ewiggestrig. Mehr Optionen bleiben nach einigen Durchläufen von David Knopflers „Songs for the Siren“ eigentlich nicht – wobei nun auch ewiggestrig nicht schlecht sein muss. Viel geändert hat sich jedenfalls nicht. Bereits in der vierten Zeile des Info-Textes weist das Label darauf hin, dass David „der jüngere Bruder von Mark Knopfler“ ist. Und jetzt? Klingt die Platte nach Dire Straits?
Sicherlich – aber noch mehr als das klingt „Songs for the Siren“ nach den neuen Platten des großen Bruders, ohne dessen gefühlvollen Gitarren-Soli. Das war aber auch schon vor fünf Jahren so, oder vor zehn: David klingt nach einem klassischen Songwriter. Und keine Frage: Die Songs sind von Struktur und Spannungsbogen gut. Lieder wie „Sophie’s Song“, „Razor Moon“ (mit klassischer Dire-Straits-Akkordfolge), „One thing leads to another“ oder „Drowning Pool“ (der vielleicht stärkste Song) schieben den Hörer in diese ganz bestimmte relaxte Stimmung – die niemals die berieselnde Belanglosigkeit von Fahrstuhl-Jazz annimmt -, zu der man prima bei einem Glas Rotwein debattieren kann.
Was aber David Knopfler trotz offensichtlicher musikalischer Qualitäten vielleicht für immer fehlen wird, ist die ganz besondere Einzigartigkeit, die ihm von anderen Blues-Country-Kapellen unterschiede. Und da steht dann sein Bruder, der das seit Jahren besser macht. Schon wieder. Dennoch ist "Songs for the Siren" eine klasse Platte.
