Rezensionen

Dan Shockers Gruselkabinett: Verschollen im Spukhaus

(Maritim Produktionen)

Autor: DJ / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Dan Shockers Gruselkabinett - Verschollen im SpukhausInhalt: Der Regen prasselte wie ein Wasserfall vom Nachthimmel.
Eine Autopanne zwingt Steven und Nancy dazu, in dieser unwirtlichen Gegend inmitten eines riesigen Moors die Nacht in einem Zelt zu verbringen. Als Steven das Zelt verlässt, entdeckt er ein Haus und will dort Unterschlupf finden# doch er kehrt nie wieder zurück.
Seine Freundin macht sich auf die Suche nach ihm, doch ungeheuerliche Dinge geschehen.

Klassischen Grusel mit einem Geisterhaus und den obligatorisch verborgenen Zimmern und der Suche nach mindestens einer Person bietet die neue Folge aus Dan Shockers Gruselkabinett. Die Stärke der Folge liegt ganz klar in ihrem unheimlichen Anfang und der Atmosphäre des Unerklärlichen. Die Schwächen sind einige schluddrige Logikfehler und eine etwas langatmige Erforschung des Hauses. Der Showdown erlebt zwar viel ‚Krach’, aber auch ein kurzatmiges ‚Ach’.

Der Beginn der Geschichte wird durch die üblichen Zutaten für düsteres Flair geprägt. Dunkle, verregnete Nacht, ein verlassenes Haus, das plötzliche Verschwinden des Protagonisten Steven, Steves Stimme aus dem Verborgenen gefolgt von seiner Unauffindbarkeit und das Bewusstsein, dass dort irgendetwas in oder zwischen den Räumen lauert. Dies alleine reicht schon, dass man die CD vor dem Einschlafen dann doch wieder Ausschaltet, da es ihr neben dem Verhindern des Schlafes auch noch gelingt, ungemeines Unwohlsein zu erzeugen. Dann folgt allerdings das verwunderliche Nicht-Verwundert -Sein von Deborah Hancock, die Steves aufgelöste Freundin Nancy im Regen aufliest und mit einer psychologischen Abgeklärtheit der Ursache für Steves Verschwinden auf den Grund geht. Ebenso ruhig hört sich Deborahs Freund Jackson Brooks die Geschichte um das unheimliche Haus und das unerklärliche Verschwinden von Nancys Freund Steve später an. Keine der Personen in der Geschichte zweifelt je wirklich daran, dass etwas Übersinnliches im Spiel ist. Das Unnatürliche ist so natürlich wie die vulgären Schmierereien auf öffentlichen Erleichterungsstätten. Tatsache ist: eine Hörspiel-CD hat maximal Platz für 80 Minuten Hörspiel, von einem Hörspiel der Machart Dan Shocker erwartet man eine flotte, straffe Handlung und kein philosophisches Teekränzchen. Da darf man sich zwar wundern, sollte es ansonsten aber in Kauf nehmen. Daher stört es auch nicht, dass die Damen im Hörspiel eine Decke benutzen, um trocken zum Haus zu gelangen, auf dem Cover ihre runden Hintern nur durch Hosen bedeckt gen Regen strecken. Korinthenkackerei.

Ein wenig später verleitet das Hörspiel dann aber doch zu einer ethischen Diskussion. Da ist die Rede von Richter Jackson, einem Mann, der im 19 Jahrhundert rigoros gegen die Plantagenbesitzer vorging, die ihre Sklaven misshandelten. Und dazu eine Gruppe von schlagkräftigen Männern um sich gesammelt hat. Schließlich wurden seine Männer getötet und der Richter hingerichtet. In der Geschichte kommt nun diesem Richter bzw. seinem Geist die Rolle des Bösen zu. Und da hadere ich doch etwas mit dem Hintergrund der Geschichte. Selbstjustiz, nein, aber warum wird ein Mann, der sich gegen die brutale Sklavenhaltung gerichtet hat, so dargestellt? Um eine solche Diskussion zu starten? Oder einfach nur, um einen möglichst abstrusen Hintergrund zu entwerfen? Fragwürdig. Merkwürdig. Und das Motiv der Rache aus dem Jenseits ist schlicht platt!

Autor Dennis Hoffmann bezeichnete die Geschichte auf der AudioBookCologne in einem Gespräch selber als ‚langweilig’. Das ist sie aber sicherlich nicht. Dafür ist der Anfang und auch die gesamte Atmosphäre zu gruselig. Allerdings erwartet man nach dem interessanten Beginn etwas mehr, als nur die x-te Auflage des Schemas ‚die Rache der Toten’. Dafür merkt man den Sprechern diese Löcher in der Spannung nicht an. Besonders Pia Werfel und Gernot Endemann in der Rolle des Pärchen Nancy und Steven überzeugen in ihren verzweifelten und hysterischen Momenten. Und so bleibt es trotz der erwähnten Mängel bei kurzweiliger Unterhaltung, die man bei Gruselverlangen gerne auflegen kann.

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