Inhalt: „Für wen ist der Sarg?" - "Es ist Dein Sarg, Andrea."
Jelena und Clodomir stoßen schweren Herzens den Sarg mit Andrea in das eisige Wasser. Es ist der einzige Weg sie zu retten, sie und vor allem ihr ungeborenes Kind, das Kind, das nicht zum Stadthalter des Bösen auf Erden werden darf. Und so liegt die Hoffnung im ewigen Eis, in der letzten Festung des Guten, beim Alten.
Kritik: Nach dem verstörenden zweiten Teil der Serie Chronologie der letzten Tage habe ich eigentlich mit einem konfuseren dritten Teil gerechnet. Zwar steigen auch beim dritten Teil Ein Grab im Eis reichlich leere Gedankenblasen zur Zimmerdecke, doch erhält ein konditionell gut eingestellter Hörer gerade zum Schluss hin einige Antworten. Leichte Hörkost stellt sich der durchschnittliche Hörspielfreund dennoch sicherlich anders vor.
Die schwangere Andrea (gesprochen von Meike Sieveling) kehrt zurück aus den Alpen und wird von Graf Clodomir (gesprochen von Werner Birk und seiner Helferin Jelena (gesprochen von Katja Behnke) zu ihrem Schutz zu einem Bekannten von Clodomir, dem Alten (gesprochen von Thomas Ocke Held), geschickt. Dieser lebt abgelegen in einer Schneelandschaft. Dort verlor er vor einiger Zeit seine Schlittenhunde, die ihm nun gelegentlich unter dem Eis erscheinen und mit ihm sprechen. Aber in der weiten Landschaft verbirgt sich noch mehr, wie die hochschwangere Andrea erkennen muss. Als sie in der Hütte des Alten ihr Kind zur Welt bringt, ist der Alte längst verschwunden. Dafür taucht ihr verstorbener Freund Max (gesprochen von Björn Bergmann) wieder auf. Erneut kann Andrea sich nicht sicher sein, ob das, was sie erlebt, Traum oder Wirklichkeit ist.
Und wie schon beim zweiten Teil wird der Hörer dieses Problem mit der Protagonisten teilen. Der große Abstand zwischen dem Erscheinen der einzelnen Teile zeigt sich dabei als problematisch, längst hat man Details der vorigen Folgen vergessen und sieht sich gezwungen, für ein tieferes Verständnis die frühen Episoden noch einmal einzulegen. Allerdings macht dies vor Erscheinen des finalen vierten Teils auch wenig Sinn. Würde ich Deutschlehrer werden, so würde ich bei schlechter Laune meine Schüler mit Inhaltsangaben und Interpretationen der einzelnen Folgen auf Trab halten. Denn wenn das Hören der Serie schon einiges an Aufmerksamkeit fordert, so fällt es wirklich schwer, das Gehörte niederzuschreiben und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Hierin liegt mein persönlicher Reiz der Serie – andere Hörer erfreuen sich sicherlich an anderen Reizen.
Die dritte Folge führt einen neuen Charakter und damit einen neuen Sprecher ein. Volkmar Eckard spricht Clodomirs Gegenspieler Antonio Santori, einen unmoralischen Inquisitor, der einst Clodomir und Jelena auf den Scheiterhaufen gebracht hat. Ebenso wie Werner Birk verleiht Volkmar Eckard der Figur Charakter, wobei Antonio Santori direkt klar als Unsympath klassifiziert wird, während man bei Clodomir und Jelena auch nach dem dritten Teil unsicher ist, welchen ‚Wert’ man ihnen zuweisen soll. Die ‚Gut/Böse-Schablone’ lässt sich aber bei der gesamte Serie nicht anlegen, weshalb auch der überraschende Schreckeffekt zum Schluss keine Wertung erfahren kann.
Im Hause Pandoras Play wird man sich bei solch raffinierten Wendungen hingegen die Hände reiben und denken ‚Lassen wir den Hörer doch noch mal ein Jahr auf die Fortsetzung warten. Wenn ihn das nicht um den Verstand bringt, setzen wir die Serie einfach mit einem nicht angekündigten fünften Teil fort.’ Denn das mit den um den Verstand bringenden Fortsetzungen hat ja schon bei banaleren Themen wie den Critters, Rocky oder Dallas funktioniert.