Die Antwort auf die Frage, welche Musik wohl eine afrikanische Französin spielt, die ihren Wohnsitz im Schwarzwald hat, erübrigt sich beinahe - nun ja, jedenfalls wenn man die Musik ausklammert, die sich am derzeitigen Zeitgeist orientiert. Und damit meine ich Soul und HipHop. Cécile Vernys Platte heißt „European Songbook“, und darauf enthalten sind 15 Jazzstandards. Das Album auf die Sparte Jazz zu reduzieren wäre indes zu einfach. Und hier schließt sich der Kreis. Die Schublade für Vernys Musik lautet Weltmusik.
Und die verwursteten Standards sind ohne Frage großes Kino: Charles Trenets „La Mer“ wird ebenso aufgegriffen wie „Mercy, Mercy, Mercy“ von Joe Zawinul oder „Mac the Knife“ von Kurt Weill bzw. Berthold Brecht. Verny versucht hier auf einfühlsame Weise jedem Stück seine eigene Note zu geben, ohne dabei ihrem Stil untreu zu werden. Das gelingt. Dennoch gerät „European Songbook“ zeitweise und auf Dauer etwas unspannend. Die musikalischen Qualitäten sollen nicht in Frage gestellt werden. Auf der Plattform präsentieren sich Verny und ihre Band überragend. Auf eine Überraschung wartet man allerdings bis zum letzten Ton. Aufhorchen muss man also nicht. Es ist, als bekäme man die gesammelten Werke der „Sex and the City“-Hintergrundmusik vorgesetzt bekommen. Das ist nicht gerade Kategorie Fahrstuhl, reißt emotional aber auch nicht vom Hocker. Dennoch eine gute Platte.