Harte Gitarrenmusik wird längst nicht mehr von wild-zotteligen, obdachlos riechenden oder schwarz-weiß maskierten Personen gemacht. In den letzten Jahren ist es ein stark von der Studentenoptik geprägter Kreis, der die Instrumente in die Hand nimmt und eine ‚Neue Intelligenz’ in die Musik bringt. Lange Haare und kaputte Hosen sind dabei passé. Erscheinungsbild und musikalisches Auftreten sind inzwischen konträr. Die Qualität der Musik hingegen scheint mit dem bürgerlichen Haarschnitt zu wachsen. Die schwedischen Burst belegen dies erneut.
Schon ihr Release Prey For Life hob sich damals sowohl von der nationalen als auch internationalen Konkurrenz angenehm ab. Den Schweden war damit ein hörenswerter Einstand gelungen, den sie aber mit ihrem zweiten Release Origo (lat. Ursprung) klar toppen. Auf Origo weichen sie noch weiter von ihren Punk- und Hardcore Wurzeln ab und verbinden ihre ungestümen Noise- und Metalcore Klänge mit weichen Gitarren- und subtilen Keyboardflächen. Auf der einen Seite ähneln die Schweden vor allem Gruppen wie Neurosis, Isis und Mastodon, dann verfeinern sie ihre Musik aber mit Elementen, die an Tool, Opeth oder Anathema erinnern. Aber selbst wenn die fünf Musiker in ruhigen Gewässern fischen, so verkommt Origo nie zu Pop-Musik bzw. man hat nie das Bedürfnis die Band mit einem Satz wie ‚Mit Lied XY überschreiten sie die Grenzen zum Pop’ zu diskreditieren. Origo ist für meinen persönlichen Geschmack vielmehr mit das härteste, emotionalste und ausdrucksstärkste Album, welches ich dieses Jahr zu hören bekommen habe. Und ein Album, das den Spagat zwischen leisen Tönen und entfesseltem Thrashen nicht nur innerhalb der Songs schafft, sondern auch zwischen den einzelnen Liedern. 11,5 Punkte gibt es daher für die ausgeklügelte und äußerst musikalische Verbindung verschiedener Metal und Rock Subgenres zu einem homogenen Ganzen, welches meinen subjektiven Geschmack trifft wie kein anderes Album in letzter Zeit. Nur 11,5 Punkte gibt es aber, weil ich den Schweden zutraue, mit ihrer nächsten Scheibe noch einen draufzusetzen. Und das soll auch in Punkten Ausdruck finden können.