Rezensionen

Bram Stoker: Draculas Gast

(LPL Records)

Autor: DJ / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Bram Stoker - Draculas GastKlassischen Horror aus der Feder von Dracula Vater Bram Stoker bietet LPL Records erneut mit dem Hörbuch Draculas Gast. Drei Kurzgeschichten, die aber ihren Schwerpunkt und ihren Grusel aus verschiedenen Quellen beziehen. Mal ist es die originäre Vampirgeschichte, ein anderes Mal der bekannte Spuk in einem alten Haus und schließlich das animalische Rachemotiv.

Die erste Geschichte ist ein nicht im Original veröffentlichtes Stück aus Dracula. Und schildert eine Begegnung mit dem Übernatürlichen, die Jonathan Harker vor seinem Besuch beim Graf Dracula in Transsylvanien hatte. Trotz Warnung unternimmt er einen Ausflug in der Walpurgisnacht, weicht vom vorgegebenen, sicheren Weg ab (man denke nur an den Fatalismus in American Werwolf), gerät in einen Sturm und landet schließlich auf einem Friedhof, auf dem eine Selbstmörderin begraben ist. Es kommt wie es kommen muss, d.h. sowohl eine schöne Frau als auch ein Wolf werden in dieser Kurgeschichte eine Rolle spielen. Und selbst Dracula findet noch Erwähnung.

Die zweite Geschichte Das Haus des Richters greift das Motiv des arroganten, rationalistischen Stadtbürgers auf, der den phantastischen Geschichten der ländlichen Dorfbewohner kein Gehör schenkt. So auch der junge Mathematikstudent Malcolm Malcolmson, der trotz aller Warnungen das einsame Haus des Richters bezieht, in dem es angeblich spuken soll. Doch bis auf eine Horde Ratten und ein unheimliches Gemälde findet der Student nur die ersehnte Ruhe in dem Haus. Bis die Ratten sich an den neuen Mieter gewöhnt haben und sich des Nachts bemerkbar machen. Gestört bei seiner Lerntätigkeit nimmt Malcolmson den Kampf gegen die Ratten auf, wobei ein Exemplar sich als besonders verbissener Gegner entpuppt, der sich nur durch die Bibel vertreiben lässt. Diese Ereignisse sind aber nur der Prolog zu einer folgenschweren Nacht.

Den Abschluss bildet die Erzählung Die Squaw, die später auch unter dem Namen Die schwarze Katze veröffentlicht wurde. Und mir - Teufel! ich komm nicht drauf - auch schon in anderer Form vorgelegen haben muss.
Ein amerikanisches Ehepaar verbringt ihre Flitterwochen in Nürnberg und begegnet auf der Reise dem Abenteurer Elias P. Hutchison, der sich dem Ehepaar als therapeutisches Mittel anschließt. Als sie auf ihrer Reise eine Burg besuchen, entdecken sie im Burggraben eine Katzenmutter, die mit ihrem Kätzchen spielt. Hutchison mischt sich in das Spiel ein und zerschmettert - versehenlich! - dem Kätzchen mit einem Stein den Kopf. Die Katzemutter versucht daraufhin, den Mörder zu erreichen, gelangt aber aufgrund der Burgmauer nicht zu Hutchinson. Als die Reisenden allerdings die Folterkammer betreten, begeht Hutchinson in seiner Selbstherrlichkeit einen fatalen Fehler.

Abgesehen von der doch etwas ausgeschnitten wirkenden Titelerzählung, deren größte Wirkung wohl in der schlagkräftigen Namensgebung der CD liegt, überzeugen die Geschichten durch gepflegten, wenn auch - vor allen bei der zweiten Geschichte - antiquitierten Grusel. Das mag für den einen ein Manko, für den anderen das Plus der Geschichtssammlung sein.

Vorgetragen werden die Geschichten allesamt von Lutz Riedel, der seine Aufgabe wie üblich fehlerfrei und angemessen erfüllt. Die Musik von Andy Matern ist bekannt.

Persönlich ziehe ich die Necrophobia Geschichtssammlung - besonders die Zweite - Draculas Gast vor. Auf beiden CDs sind die Highlight einfach deutlicher, liegt sowohl durch die Stilistik der unterschiedlichen Autoren und den Vortrag der verschiedenen Sprecher ein deutliches Mehr vor. Allerdings sollte man Draculas Gast bei einem herbstlichen Urlaub an der Nordsee mit einer guten Kanne Tee nicht unterschätzen. Aber woher kannte ich nur die Erzählung Die Squaw bereits.

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