Rezensionen

Bob Brozman: Live in Germany

(Ruf Records / inakustik)

Autor: Katze / Kommentare: Bisher keine

Bild von Bob Brozman - Live in GermanyMit Bob Brozman hat das feine Label Ruf Records einen Gitarristen im Programm, der gehörig Farbe in den Labelkatalog bringt. Von der Grundstimmung her kann man Brozman sicherlich versuchen in die Bluesecke zu drängen, allerdings würde man sich die Sache damit ziemlich einfach machen, denn Brozman’s Musik hat einige Facetten mehr zu bieten.

Über diese Facetten legt – für alle, die sich selber von eben jenen überzeugen wollen – „Live in Germany“, die aktuelle DVD von Bob Brozman deutliches Zeugnis ab. Bei diesem WDR Rockpalast Mitschnitt vom 06. Dezember 2005 präsentiert sich der humorvolle Gitarrist in der vollen Bandbreite seines musikalischen Könnens und vor allem seiner musikalischen Einflüsse. Das Fundament für Brozman’s Musik bildet sicherlich der Blues, denn das ist in keinem seiner Songs zu überhören. Aber diese Grundzutat wird immer mal wieder mit anderen Ingredienzien vermischt, wie beispielsweise mit Klängen, wie man sie sonst nur auf Hawaii antrifft, mit Gypsy Swing, mit Calypso oder auch mit jazzigen Anleihen. Was Brozman neben dieser stilistischen Mixtur aber als Musiker wirklich einzigartig macht, ist seine unglaubliche Vorliebe für vielfältigste Rhythmusspielereien. Es gibt wahrscheinlich kaum einen Rhythmus, den Bob Brozman nicht kennt oder gar nicht auf irgendeine Weise spielen und dazu eine feine Bluesnummer improvisieren könnte.
Vorliegende DVD verfügt natürlich auch über völlig von der enthaltenen Musik unabhängige technische (bzw. inhaltliche) Daten, als da wären: Der Ton ist in 3 Formaten verfügbar (Stereo, Dolby Digital 5.1 und DTS 5.1) und dürfte allen Ansprüchen, die man an eine solche Veröffentlichung haben kann, genügen. Das Bildformat hier ist 16:9 und die Bildqualität entspricht dem aktuellen TV-Standard. Untertitel fehlen leider komplett, was in vorliegendem Falle aber vielleicht nicht ganz so schlimm ist, weil Brozman ein Englisch spricht, das man mit Schulkenntnissen gut verstehen können sollte. Bonusmaterial gibt es auch und dieses ist hier auch wirklich schön, denn neben der üblichen Fotogalerie gibt es ein informatives, ausführliches Interview und einen kleinen netten Gitarren- und Rhythmus-Workshop.

Fazit: Bob Brozman ist sicherlich ein Bluesman, allerdings ein Bluesman mit Hang zu jazzigen Improvisationen und exotischen Klängen, was ihn erwartungsgemäß nicht unbedingt 100%ig kompatibel zum Blues-Hörer an sich macht. Er spricht sicherlich im Bereich Blues diejenigen Fans an, die gerne einmal über den Tellerrand gucken und entsprechend Zeit und Lust finden, sich mit bisweilen leicht ungewöhnlich anmutender Musik auseinander zu setzen. Wer sich bei dieser Beschreibung jetzt angesprochen fühlt, der sollte „Live in Germany“ ruhig einmal antesten.

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