header photo

Sound Base

Online Magazin

Blumfeld: Verbotene Früchte TIPP
(Sony BMG)


Autor: schlimm / Wertung: 10.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Blumfeld - Verbotene FrüchteKinder wie die Zeit vergeht. Es kommt mir vor, als wäre das Debut-Album von Blumfeld „Ich-Maschine“ erst vor kurzem erschienen. Aber halt, nein, das war ja schon im Jahre 1992. Seitdem ist viel Wasser den Rhein runter geflossen, die Band um Jochen Distelmeyer ist immer noch aktiv und verzaubert uns immer noch mit diesen Kleinoden. Mittlerweile ist die Band aus der deutschen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Das Feuilleton feiert die Musiker durchweg bei jedem neuen Album und lobt die lyrische und musikalische Arbeit über den sprichwörtlich grünen Klee. Natürlich eckt die Band auch an und polarisiert wie kaum ein anderer deutsche Act, sogar Vergleiche mit der Münchner Freiheit werden herangezogen. All´ diese Stimmen werden sich jetzt wieder erheben und das neue Werk „Verbotene Früchte“ bewerten, beurteilen und letztendlich erkennen müssen, dass Blumfeld in einer ganz eigenen Liga spielen und die Band zum Besten gehört, was die deutsche Musiklandschaft zu bieten hat, ja je zu bieten hatte.

Eine gewisse Komik lässt sich beim ersten Song nicht von der Hand weisen. Komik deshalb, weil es nach einem langen Winter endlich Frühling wird. Die Tage werden länger, die Natur wächst und gedeiht und ja, man hat schon wieder die T-Shirts herausgekramt und genießt die Sonnenstrahlen und worüber singt Distelmeyer? Genau, wie sollte es anders sein, über Schnee. Der Texter beschreibt hier seine Alltagsbeobachtungen, tja, von Schnee und welche Situationen damit verbunden sind. Ist Schnee und Winter schon mal schöner vertont worden? Ich kann mich nicht erinnern. Das ist einfach ganz, ganz große deutsche Dichtkunst, wunderschön. Musikalisch ein sehr gefühlvoller, ruhiger Auftakt. Dabei bleibt es aber nicht, denn schon mit „Apfelmann“ und „Strobohobo“ wird im Stakkato losgerockt. Man achte dabei auch auf den besonders drolligen Text im „Apfelmann“. Man könnte ja vermuten, dass Distelmeyer mit Metaphern arbeitet, aber im Grunde genommen singt und beschreibt er einfach das was er sieht. Man höre sich dazu nur „April“ an, treffender kann man diesen Monat nicht vertonen, dazu die eher akustische musikalische Umsetzung ergeben in der Summe den perfekten Song. Natürlich wird es auch Leute geben die bei „Tiere um uns“ oder „Schmetterlings Gang“ verständnislos den Kopf schütteln werden. Vielleicht aber einfach mal den Text wirken lassen und dann selbst in der Natur auf Entdeckungstour gehen.

Nicht nur textlich, nein auch musikalisch kann „Verbotene Früchte“ überzeugen, man höre sich dazu nur das geniale „Tics“ an oder den an Folk angelehnte „Der Fluß“. „Kleines Lied“ ist tieftraurig und zu Tränen rührend. Hier könnte man wirklich über jeden Song in Jubelarien ausbrechen, kein Ton zu viel, kein Text zu peinlich, nein hier passt alles! Wer braucht angesichts einer Band wie Blumfeld noch eine Deutschquote? Nein Leute, kauft einfach „Verbotene Früchte“ lauscht den Texten und staunt, was mit deutscher Sprache möglich ist.

Nun, ist das neue Werk also das beste Blumfeld-Album? Das muss wohl jeder für sich selber entscheiden, ich für meinen Teil kann das mit einem Ja beantworten. Auf der anderen Seite gibt es eigentlich nur „beste“ Blumfeld-Alben. Wieder mal hat es die Band geschafft zu überzeugen und das auf der gesamten Albumlänge von über 62 Minuten und das soll denen erstmal einer nachmachen. 10,5 Punkte.

Hinterlasse eine Antwort

Aktuelle Artikel