Inhalt: P steht für Problem. Wenn Calder nicht weiterweiß, befragt er sein Pentomino-Orakel, das er ständig mit sich herumträgt. Seine Klassenkameradin Petra dagegen hat seit einiger Zeit rätselhafte Träume, die geheime Botschaften zu enthalten scheinen. Gemeinsam nutzen sie alle Tricks, die sie kennen, und alle Fähigkeiten, die sie haben, um ein großes Verbrechen aufzuklären: Wer steckt hinter dem Raub des weltberühmten Gemäldes „Briefschreiberin in Gelb“ von Johannes Vermeer?
Mit Hilfe des Pentomino-Orakels und mysteriöser Zufälle beginnt für die Freunde Calder und Petra eine spannende Jagd, während der die beiden ein abenteuerliches Dickicht aus Orakeln, Verdächtigungen und Rätsel entwirren müssen. Es bleibt ihnen nicht viel Zeit, denn der Dieb droht an, das Gemälde zu zerstören, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden. Noch ahnen sie nicht, wie nahe sie dem kostbaren Bild sind – und in welche Gefahr sie sich begeben …
Kritik: ‚Gesegnet’ mit zwei Neffen, von denen eine gerne liest und der andere Lesen auf eine Stufe mit Abwasch stellt, sucht man immer Kinder- und Jugendbücher, die auf der einen Seite interessant zu lesen, auf der anderen Seite aber auch etwas mehr Gehalt als die üblichen 08/15 Jugend- und Kinderliteraturgeschichten besitzen. Jostein Gaardner hat es damals mit Sofies Welt vorgemacht: Eine intelligente Handlung mit philosophischer Tiefe für Kinder aufbereitet kann sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern gelesen werden. Spätestens seit Harry Potter hat sich diese Klasse der Literatur als Sparte für alle Generationen entwickelt, so dass es nicht selten ist, dass man einen Anzugträger statt mit der Times mit einem Kinderbuch im Zug sitzen sieht.
Das Pentomino Orakel fällt in diese Sparte. In den USA ausgezeichnet und von Kritikern als ‚Da-Vinci-Code für Kids bezeichnet bietet der Erstling von Blue Balliett sowohl für das junge Publikum als auch die reifere Generation unterhaltsame Rätselkost. ‚Rätselkost’ darf man dabei nicht zu schwer gewichten, denn in der Erzählung spielt vor allem der Zufall und das Unerklärliche eine Rolle. Die Kinder ermitteln anhand der Hinweise, die ihnen die Pentominos geben. Oder sie lassen sich von (Tag-)Träumen leiten. Hier werden nicht Hinweise zusammengereiht oder nach Indizien gesucht, sondern es ist mehr ein Tappen im Dunkeln und ein zufällig Ertasten von möglichen Wahrheiten. Blue Balliets Intention dürfte es auch kaum gewesen sein, einen schlichten Kriminalroman für Kinder zu schreiben. Vielmehr geht es ihr um Aspekte wie Freundschaft, Anderssein, Glaube, das ‚Hinter-den-Schleier-des-Scheinbaren-Gucken’ und natürlich auch um die Kunst. Das Pentomino Orakel hält das Schild mit dem bekannten Sesamstrassen-Spruch ‚Wer nicht fragt, bleibt dumm’ streng hoch. Das Abenteuer der kindlichen Helden Calder und Petra soll ermutigen, die Dinge zu hinterfragen, neugierig zu sein, sich seine eigene Meinung zu bilden und die Welt nicht nur durch fremde Sinne, sondern auch durch die eigenen zu erfahren. Der holländische Maler Vermeer bot sich dabei anscheinend als adäquates Mittel an, gab es doch tatsächlich zahlreiche Fälschungen des Niederländers Han van Meegeren, die ebenfalls von offizieller Seite als Vermeers angesehen worden.
Gelesen wird das Buch auf fünf CDs von Oliver Rohrbeck, der zumindest zum Anfang hin noch etwas ‚schwermütig’ liest, was den Beginn ein wenig schläfrig klingen lässt. Im Verlauf der Geschichte findet er aber in das Hörbuch hinein und gestaltet Das Pentomino Orakel doch zu einem spannenden Hörspaß, den aber alle meiden sollten, die vor dem CD Spieler mitraten und mitermitteln wollen. Das Ende ist überraschend und nicht vorhersehbar. Blue Balliet führt den Hörer an der Nase herum und gibt ihm nicht die Möglichkeit, selbst hinter das Geheimnis des verschwundenen Gemäldes zu kommen. Dafür ist die Zahlenakrobatik bei der Auflösung schon imposant, wenn auch schwer nachzuvollziehen. Schauen wir mal, ob das Buch in Deutschland ebenso ein Erfolg wie in den USA wird.