Ich muß gestehen, beim ersten Reinhören hätte ich die Scheibe am liebsten sofort wieder aus dem Player genommen, so schräg kam die Musik von Big Crazy Family rüber. Als dann noch Textzeilen zu vernehmen waren, wie „uns geht’s so gut im sozialen Staatsystem, wohl weil hier fast alle unter Drogen stehen“, dachte ich: okay, daß ist hier wohl Programm… aber dann kam es doch ganz anders. Denn je weiter die CD voranschritt und je öfter ich mir die eine oder andere Passage anhörte, je besser gefiel es mir. Schließlich muß gesagt werden Die Zeit Heilt Alle Wunden ist keine Musik von der Stange, es ist Musik mit einem mitunter durchaus ernsten textlichen Hintergrund, aber dennoch mit einem großen Augenzwinkern.
Das österreichische Bandprojekt um Eike Sunshine und Andi P. erinnert ein wenig an die spätere Nina Hagen (vor allem ‚Alles Wird Gut’, aus dem oberes Zitat stammt), ein wenig an Jule Neigel und inhaltlich an die Erste Allgemeine Verunsicherung, die in den 80er Jahren ebenfalls durch gekonnt ironische Weise auf ernste Anliegen aufmerksam machte. Neben der musikalischen Qualität weiß vor allem der textliche Beitrag zu überzeugen, denn auf Inhalte wie „Alle Tiere kosten eine Menge Mäuse, ich spar mein Geld und halt mir lieber Läuse. Jeden Monat 100 Euro Fressen sparen, mit Gratisläusen in den Haaren“ (‚Läuse’) bzw. „Mein Friseur ist ein alter Kiffer, mein Friseur bei ihm fühlst Du Dich sicher“ (‚Mein Friseur’) muß man erst mal kommen!
Musikalisch gesehen bewegt sich die Familienkapelle in Gefilden des Rocks, Funk und Chillouts und die 17 Tracks sind nicht zuletzt deshalb auch als Liveversion sehr gut vorstellbar. Falls sie also mal ins Rhein-Ruhr-Gebiet kommen – ich werde bestimmt mal vorbeischauen.
Anzuhören und erhältlich ist Die Zeit Heilt Alle Wunden unter www.bigcrazyfamily.com