Inhalt:
Das unvollendete Gemälde (Markus Saxer): Der Raub eines Gemäldes wird einem Hotelgast zum Verhängnis.
Das große Grauen (Roy Spitzke): Die Folgen privater Genexperimente bekommt der Protagonist rasch am eigenen Leib zu spüren.
Nie mehr Bolero (Salem Stoke): Nach der Diagnose „Hirntumor“ wundert sich David nicht mehr über all die Visionen, die er täglich hat. Doch irgendetwas stimmt nicht mit Davids Realität!
Am Sterbebett (John Beckmann): Bramsdorf, ein kleines Nest, stirbt aus. Dies ist allerdings nicht nur auf den allgemeinen Einwohnerschwund zurückzuführen, es liegt auch an mordlüsternen Gestalten, die nachts auf Beutezug gehen.
Die Teufelsbrut (Doris Doppler): Anna trägt die Frucht des Satans in sich. Die Rache eines abgewiesenen Verehrers: Ein Fluch!
Mit vorliegendem Release startet das Hörspiel-Label Hörplanet seine „Bibliothek der Albträume“ – Reihe, die bisher zwei Folgen umfasst und im Januar Teil 3 folgen lassen will. Der Hörer dieser CD darf sich auf insgesamt fünf kurzweilige Geschichten freuen, die einen vielleicht nicht unbedingt das ganz große Grauen lehren, aber in entsprechender Atmosphäre gehört, durchaus kleinere, wohlige Schauer auslösen können. Gelesen von Dennis Rohling versprüht der eine Teil der präsentierten Kurzgeschichten den Charme der guten alten Gespenster-Comics (die älteren unter euch werden sich sicherlich gerne an diese Comic-Reihe erinnern, in denen es immer um geheimnisvolle und rätselhafte Ereignisse ging, die sich nur durch gespenstischen Spuk erklären ließen. In diese Kategorie fallen vor allem „Das unvollendete Gemälde“, „Am Sterbebett“ und „Die Teufelsbrut“. „Das große Grauen“ und vor allem „Nie mehr Bolero“ dagegen fallen eher in die Kategorie Psychothriller, denn hier geht es im Prinzip nicht um übernatürliche Phänomene sondern um Wahnsinn in all seinen Facetten. Zwar fällt „Das große Grauen“ hinter allen anderen Geschichten etwas ab (ich fand die Nummer sogar relativ langweilig, um genau zu sein) aber mit „Nie mehr Bolero“ bietet diese Erzählkategorie das absolute Highlight dieser CD, denn die Geschichte ist so dicht und rasant geschrieben und vorgetragen, dass man sich als Hörer – so man sich denn nun darauf einlässt – schnell in einem psychotischen Strudel befindet, in dem die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn schnell verwischen.
Fazit: Drei wirklich gute Schauermärchen, eine absolute Spitzenstory, leider auch ein etwas schwächerer Füller und ein Erzähler, der über weite Strecken wirklich überzeugt, so muss das Resümee zu Folge 1 der „Bibliothek der Albträume“ in meinen Augen lauten. Ein nettes Werk für dunkle und kalte Winterabende, der Lust auf weitere Folgen dieser Reihe macht. 9 Spukschlösser!