Fuckin’ Rock‘n Roll
So schimpft sich nicht nur ein Song der aktuellen Betzefer Scheibe, nein, so könnte man auch das Motto dieses Abends nennen. Geiler Rock mit ordentlich Stromgitarren, Enegie und einer fetten Portion Spielfreude waren in Mönchegladbach angesagt, zu welchem Betzefer, Koroded und President Evil ins Projekt42 geladen hatten. Allesamt nette Jungs, die endlich mal auf einer ausgedehnten Tour ihre Hits unter die Leute bringen durften, wofür diese im Gegenzug gerade mal 7,00 Euro über den Vorverkauf berappen mußten. Value for money!
Als würdiger Abschluss einer 29 Gigs umfassenden Tour (in sage und schreibe 31 Tagen), startete die Chose gegen 21.00 Uhr und President Evil durften als Opener mit ihrem RotzRockMetal den Abend einläuten. Als die ersten Töne erschallten, waren bereits an die 100 Gäste anwesend, die mit würdigem Stoner-Rock meets Asi-Punk belohnt wurden und ca. 40 Minuten von den Jungs aus Berlin mit ihrer sogenannten „Trash´n´Roll Asshole Show“ angeheizt wurden. President Evil waren mir bis dato noch nicht untergekommen, machten ihren Job aber verdammt gut. Mit motivierenden Ansagen und zwei, drei gut in den Darm gehenden Groovenummern konnte “Mr. Bush” zum Rübeschütteln animieren oder mit den restlichen Uptempotracks Fuß- und Beinzuckugen hervorrufen. Die Präsidentschaft des “Deutschen Beinhart Grooves” ist den Jungs sicher, denn die Berliner hatten zum Glück nicht mit den üblichen Soundproblemen eines Anheizers zu kämpfen und so kamen die Songs straight und kraftvoll rotzig aus den Boxen.
Nach kurzer Umbaupase enterten Koroded die Bühne und zogen die Hits ihrer beiden Alben vom Leder. Vor mittlerweile 130 zahlenden Gästen (in einer 250er Location) wurde auf der Bühne gerockt, gemoscht und gegroovt und vor der Bühne entwickelte sich ein ansehnlicher Circle Pit. Nochmals aufgewertet wurde die intensive Show durch eine exquisit dargebotene Version von Sepulturas “Roots, bloody roots”, mitgesungen von Betzefer Frontmann Avital Tamir und gitarrentechnisch veredelt von Matan Cohen (ebefalls Betzefer). Das Teil rockte die Hütte extremst, hätte selbst der Familie Cavalera zur Ehre gereicht und versetzte ebenso mühelos die anwesende Zuschauerschar in Verzückung. Nach gut 70 Minuten Spielzeit merkte man Koroded allerdings an, dass wenig Schlaf, viel Alkohol und kontinuierliches Brüllen der insgesamt 31 Tourtage an Kraft und Stimme zehrte (gleiches ließ sich bei den Headlinern feststellen). Trotzdem schaffte es Jan Röder über weite Strecken die melodischen Choruslines wie ein zweiter Robb Flynn ins Publikum zu schmettern und wurde dabei grandios von Schlagzeuger Ben Overmann im Fear Factory-Style unterstützt. Geile Mischung das. Beendet wurde der Auftritt der Aachener Truppe mit den beiden besten Songs des aktuellen Albums “To have and to hold”, der Abrißbirne “Zero minus zero” und dem Rausschmeißer “People of the abyss”.
Nach 15 Minuten durften sich Betzefer warmspielen und offerierten eine energetische Show, mit allen Highlights ihres Schaffens, wobei der Schwerpunkt natürlich auf dem neuen, über Roadrunner veröffentlichten, Longplayer “Down low” lag. Der panteralastige Einfluß der Recken aus Tel Aviv, machte allen Anwesenden gehörig Spaß und bei Songs wie “Under”, “6’s & 7’s” sowie dem Titelsong konnte man bestens abgehen und die in einer heißen Arbeitswoche aufgestaute Aggression perfekt abbauen. Bei Betzefer ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und mit ihrer musikalischen Hommage an Dimebag Darrel sind die Israelis nach dieser famosen Liveperformance vorerst der legitime Gewinner um den Pantera-Cup. Ganz speziell der Gesang von Avital erinnert ungemein an Herrn Anselmo in besten Zeiten!
Gekrönt und gleichzeitig würdevoll beendet wurde der Abend mit einem Komplett-Auftritt aller drei Sänger, dem herumreichen einer Literflasche JägerM und der Zurschaustellung des Herrn-Röder-Genitals, was alle Anwesenden herzhaft amüsierte. Mehrfach konnte man von der Bühne vernehmen, dass man sich ausnahmslos sympathisch fand, Freunde in den anderen Bands gefunden hatte und traurig sei, endlich wieder regelmäßig duschen zu dürfen, ordentliches Essen bekäme und in einem weichen Bett schlafen müßte. Und so endete ein schweißtreibender, ziemlich geiler Gig in einer netten Konzertarea, womit ich allen Lesern die gute Stube “Projekt 42" in der Borussen-Hochburg für zukünftige Events ans Herz legen möchte, weiter so. Für Bands, Location und Fans… it’s fuckin’ Rock‘n Roll!
Events
Betzefer, Koroded, PresidentEvil, 4.5.2006, Projekt42, Mönchengladbach
Autor: R@Z€ / Kommentare: Bisher keine
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