Rezensionen

Ben Kweller: Ben Kweller

(Red Ink / Rough Trade)

Autor: schlimm / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Ben Kweller - Ben KwellerDie Zeit scheint wieder reif zu sein für Solo-Künstler mit den großen Melodien. Klar, die großen Singer/Songwriter waren immer da. Mittlerweile hat aber eine verdammt große Anzahl an jungen Künstlern in diesem Genre Fuß gefasst. Egal ob ein Adam Green, ein Badly Drawn Boy oder ein Ryan Adams, sie alle prägen diesen Still mittlerweile nicht nur mit, nein sie fügen diesem ihre ganz eigene Not hinzu. Dazu gesellen sich dann noch so Leute wie Connor Oberst, die eigentlich im Korsett einer Band agieren, vom Grunde auf aber nichts anderes als Solo-Künstler sind. Ein weiterer Name könnte sich in diesem Metier zu einem ganz Großen entwickeln, die Rede ist hier von Ben Kweller.

Der 25jährige legt mit dem Selbstbetitelten, neusten Album mittlerweile schon sein drittes Werk vor. Interessant hierbei ist übrigens, dass der gute Ben, anders als bei den Vorgängern, jede Note selbst eingespielt hat. Als Produzent stand ihm dabei Gil Norton zur Seite. Natürlich gibt es hier die klassische Besetzung mit Bass, Gitarre und Schlagzeug. Viel interessanter ist aber, was der Mann sonst noch so an Instrumentensortiment aufgefahren hat, regelrecht abenteuerlich mutet das schon an: Klavier, Glockenspiel, Tamburin, Xylophon, Orgel, Mundharmonika und Triangel(!). Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass bei dem ganzen Brimborium „Ben Kweller“ total überladen wäre. Das Gegenteil ist der Fall! Man höre sich dazu nur das wunderschöne „Thirteen“ an, erinnert fast schon an Springsteen zu „Nebraska“ Zeiten. Natürlich rockt die Scheibe auch, wie z.B. bei „Penny On The Train Track“. Wo ein Adam Green allzu albern wird, da behält Kweller die nötige Ernsthaftigkeit und wo ein Badly Drawn Boy zu sehr in den Kitsch abdriftet, da kriegt er die Kurve. Die elf Songs, verteilt auf 40 Minuten, geben vom ersten Ton bei „Run“ bis hin zum letzten bei „This Is War“ ein erstaunlich stimmiges Gesamtbild ab. Hier passt einfach alles. Thematisch dreht sich die ganze Geschichte um die klassischen Themen vom Reisen und der großen Freiheit. Ja, Ben Kweller scheint es durchaus ein ernstes Anliegen zu sein, es sich zwischen den ganz Großen dieses Faches gemütlich zu machen, ohne dabei bemüht oder künstlich zu klingen. Nein, er macht sein eigens Ding und wenn er dabei in einem Atemzug mit den großen Kollegen genannt wird, dann nur, weil er mit diesen (fast) auf Augenhöhe agiert und eine starke Scheibe abgeliefert hat.

Fazit: Kweller Fans werden mit dieser Scheibe sehr, sehr glücklich werden, dürfte seine bisher beste Arbeit und Scheibe sein. Jeder andere, der sich im Singer/Songwriter Genre zu Hause fühlt oder dem sehr wohlwollend gegenüber steht, der wird um dieses Album auch nicht herumkommen. Eigentlich handelt es sich hier um einen Konsens-Silberling (im positiven Sinne), der viele Freunde verschiedener Stile finden dürfte. Auch wer die großen Popmelodien und Refrains nicht scheut, der wird hier seinen Frieden finden und so seltsam es vielleicht klingen mag, auch Freunde der gepflegten Indie-Musik dürften sich herzhaft an „Ben Kweller“ erfreuen. Doch, ein sehr feines Teil, das hier!

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