Verdammt, wo sind sie hin? Die Jahre? Dreimal zehn Jahre BAP! Ein Jubiläum, welches amtlich gefeiert wird. Neben CD und DVD gibt es natürlich auch die entsprechende „Greatest-Hits“ Tour. So ein Anlass ist immer ein Grund mal ordentlich auf die Pauke zu hauen. Trotz aller Freude hält man unweigerlich auch immer wieder einige Minuten inne und dann wird einem schmerzlich die Vergänglichkeit des eigenen Seins bewusst. 30 Jahre, die mehr oder weniger wie im Flug vergangen sind, knapp 20 davon habe ich (auch immer wieder) live und in Farbe erlebt, gelebt und verfolgt. Mal näher, mal aus der Distanz. Aus den Augen verloren habe ich die Band nie. Für mich als Kölner ist BAP ein Stück vertonte Heimat und keiner kann das Kölner-Lebensgefühl besser in Worte kleiden und musikalisch umsetzen.
Am 16.09.2006 machte die Tour Station in Bonn. Kann wohl mehr oder weniger als Heimspiel bezeichnet werden. Zuerst stand aber wieder mal der übliche Kampf um die Parkplätze an. Die ersten beiden Songs „Wahnsinn“ und Waschsalon“ habe ich so leider auch verpasst und da der Presse-Balkon an diesem Tage nicht zur Verfügung stand, machte ich es mir im hinteren Teil des Geländes gemütlich und hatte so einen perfekten Überblick über den gesamten Platz und das Geschehen.
In den ersten Reihen ist die Stimmung natürlich bestens. Die wahre Stärke von BAP zeigt sich aber darin, dass sie die Zuschauer auch ganz hinten packen und kriegen. Herrschte zu Beginn in den hinteren Regionen noch etwas Unruhe, so war die Menge spätestens bei „Helfe kann dir keiner“ komplett im Bann der Band gefangen. Klar! Jeder Einzelne in der Band ist ein hervorragender Musiker! Das ist aber noch lange kein Garant für eine gute und vor allem funktionierende Gruppe. Diese „kölsche“ Formation hier ist aber über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn BAP im Laufe der Dreimal zehn Jahre einige Umbesetzungen zu verkraften hatten und schon jedes Mal auf ein Neues das Ende der Band vorhergesagt wurde, so hat sich hier eine Formation herauskristallisiert die dieses gewisse Etwas hat und die entsprechende Magie verbreitet. Auch wenn das Schicksal der Band unweigerlich mit Wolfgang Niedecken verbunden ist, so ist BAP nicht Wolfgang Niedecken alleine. Nein, es macht schon Spaß Werner Kopal, Helmut Krumminga, Michael Nass und Jürgen Zöller bei der Arbeit zuzusehen. Bei der GEMEINSAMEN Arbeit, wohlgemerkt! Fantastisch, was hier auf die Bühne gezaubert wird. Dazu gesellt sich mit Anne de Wolff noch bei ausgewählten Stücken eine Könnerin an der Geige.
Die Museumsmeile in Bonn zählt sicher zu den schöneren Konzertveranstaltungsorten in deutschen Landen. Wer einen Platz im ersten Drittel erwischt, der wird das sicher auch bestätigen können. Die Plätze dahinter sind aber doch mit der ein oder anderen Sichtbehinderung „ausgestattet“ und umso mehr ist die Leistung von BAP zu würdigen, die bis zum letzten Zuschauer in der letzten Reihe zu begeistern wussten. Wolfgang Niedecken erzählte die ein oder andere Anekdote und über die Entstehung der Songs. Natürlich musste auch sein geliebter 1FC Köln in Form von Schal und Trikot zu Ehren kommen. Der Kölner „Torjäger“ Scherz durfte sich über eine Songwidmung freuen und auch sonst war die Stimmung auf und vor der Bühne bestens. Der laue Sommerabende trug zum gelungenen Gesamtbild bei.
Dass die Jungs neben den rockigeren auch die leisen Töne beherrschen bewiesen sie mit dem schönen Unplugged-Teil. Das melancholische „Dreimal zehn Jahre“ trieb dem ein oder anderen eine wohlige Schauer über den Rücken und hier und da konnte man auch die ein oder andere Träne im Knopfloch erblicken. „Chippendale“ konnte ebenso begeistern wie das sehr schöne „Paar Dach Fröher“ mit Anne der Wollf als Duettpartnerin. „Do kanns zaubere“ verzauberte dann auch die Menge.
Danach wurden die Gitarren dann wieder eingestöpselt. „Nemm mich met“, „Rövver noh Tanger“ und „Unger Krahnebäume“ rockten wie Hölle, bevor es mit „Kristallnaach“ und
„Widderlich“ zu ernsten, nachdenklichen und politischen Tönen kam. Leider immer noch und immer wieder aktuellen Tönen muss man da wohl sagen. Damit war das Mainset dann auch beendet. Nach kurzer Pause ging es dann mit dem ersten Zugabenblock weiter. „Frau ich freu mich“, „Verdamp lang her“ und das Coverstück „Heroes“ wurden restlos begeistert abgefeiert. Bei „Heroes“ durfte übrigens auch Helmut Krumminga einen Gesangspart übernehmen. Sehr schön! Wer BAP kennt, der wusste hier natürlich schon, dass dies noch lange nicht alles war. Mit „Alexandra nit nur do“, „Nähxte Stadt“ und „Maat et joot“ gingen die Festspiele dann weiter. Genug? Nein erst nach knapp drei Stunden war dann mit „Jraaduss“ und „Hungry Heart“ dann wirklich Schluss.
Das war dann nicht nur ein Heimspiel, sondern ein überzeugender Heimsieg! Mit bleibt dann nur noch eins zu sagen: Danke BAP!!! Wie heißt es in einem Song? „En dä ahle Stadt, wo ich herkumm, dämm Millionedorf ahm Rhing, wo ming Ahne schon jelääf hann un ming Pänz jeboore sinn, sprich mer’n Sprooch, die do jewaaße, die mer övverall erkennt, die mer’n Düsseldorf zwar »Rheinisch«, doch em Rest der Welt »Kölsch« nennt. All ming Jedanke, all ming Jeföhle hann ich - sulang ich denke kann - immer noch ussjelääf oder erdraare, en unserer eijne Sprooch.“ Keiner kann das besser ausdrücken wie diese Band!