Vorneweg möchte ich sagen, dass ich angesichts Autechres‘ Klängen hin und her gerissen bin. So halte ich Kreativität, furchtlose Phantasie und das Beschreiten neuer Wege fernab vom Mainstream auch innerhalb der Musik für wichtig und richtig. All das können Sean Booth und Bob Brown sicherlich vorweisen, doch hinsichtlich der für mich ungewohnten schwerverdaulichen musikalischen Kost fällt mir eigentlich nur "Durchgeknallt" ein und damit eine Bewertung dieses Albums nicht leicht - diese bleibt dann auch ausnahmsweise, jedoch folgerichtig, aus.
Beim ersten Hören hatte ich spontan John Shirleys’ Cyberpunktrilogie (SciFi-Genre) vor Augen, in der der Autor dem Thema Musik einen großen Stellenwert einräumt: desillusionierte kaputte Typen einer ebenso desillusionierten kaputten Welt tanzen zu einer computergesteuerten hochtechnisierten, heutzutage noch fremdartigen Musik. Zwar kann bei Autechre mitnichten von desillusioniert oder kaputt die Rede sein, ihre Musik hingegen kann - auch für Liebhaber elektronischer Musik - durchaus als fremdartig, ungewohnt und speziell bezeichnet werden.
Im Vordergrund von "Untitled" steht vor allem die Erschaffung neuer Soundstrukturen im Stile von IDM (Intelligent Dance Musik). Die von Booth und Brown fabrizierten Klanglandschaften erscheinen als ein Surrealismus musikalischer Art: irrational, abstrakt und provokant. Dies bedeutete zum größten Teil auch Beats im Stakkatotempo, was nur wohlwollend melodisch erklingt und den Sound absolut untanzbar macht. Folglich wird vom ungeübten Musikfreund viel Geduld und innere Ruhe gefordert, will er dem Album im Ganzen lauschen. Immerhin erstrecken sich die experimentellen und rein instrumentalen acht Tracks über durchschnittlich acht Minuten lang in elektronisch harter Gleichartigkeit. Hier und da sind zwar Variationen vorhanden, der Gesamteindruck von Monotonie bleibt jedoch.
Zwar vermag ich nicht zu beurteilen, ob das Hören dieser Produktion tatsächlich Intelligenz erfordert, in Anbetracht der Unkonventionalität sicherlich aber eine große Portion Offenheit dafür, ungewohnte musikalische Ufer zu betreten. Genügend Fans dieser Art scheint Autechre jedoch zu haben, immerhin ist es bereits das achte Album der beiden Briten.