Schadensbegrenzung in Sachen Deutscher Bildungsmisere gibt es erneut aus den Studios des Megaeins Verlag, dem Verlag, der nach Troja und den Nibelungen mit Alexander den nächsten populären Sandalenfilm durch ein Hörbuch begleitet. Erneut greift man dafür auf ein Buch von Auguste Lechner zurück, welches in einer gekürzten Fassung von Gerrit Schmidt-Foß gelesen wird.
Die Geschichte von Alexander der Grosse, so wie ihn uns die Schulbücher geleert haben, ist vor allem eine Geschichte von langen Märschen und Eroberung, von einem Alexander von Makedonien, der angetrieben von den Erfolgen seines Vaters Philipp dessen Ruhm durch seine Taten zu übertrumpfen sucht. Einem Feldherrn, dessen Dualismus in seiner Persönlichkeit sicherlich eine interessante psychologische Note in die trockene Strategie vergangener Schlachten wirft. Einer Persönlichkeit, dessen Feldzug die Welt nachbleibend verändert hat, eine Persönlichkeit, die die Lehren seines philosophischen Lehrers Aristoteles widerspiegelt und dennoch in entscheidenden Momenten und Fragen Fehler gemacht hat, die sich wie Narben durch sein Profil ziehen. Ein Herrscher, der seine Feinde wie Freunde behandelte und seine Freunde wie Feinde richten ließ oder selber richtete. Und dessen Ziel es war, die gesamte Welt zu einen, ein großes Ziel, das ihm schließlich zum Verhängnis wurde und ihn schon in jungen Jahren einer tödlichen Krankheit erliegen ließ.
Auguste Lechners Erzählung geht einher mit der mir bekannten Geschichte von Alexander der Grosse. Neben den zahlreichen Schlachten, seinen Reisen, dem Reifeprozess seiner Persönlichkeit legt Auguste Lechner allerdings auch viel Wert auf beinahe schon sagenhafte Anekdoten um den Eroberer aus Makedonien, die sich so nicht in den gängigen Geschichtsbüchern wieder finden. Dass hierbei stellenweise Pathos und Kitsch ihren Weg in die Erzählung finden, ist nicht mehr als schmückendes Beiwerk. Würden diese Elemente fehlen, würde der 320 Minuten währende Epos durch die doch recht strapazierenden Reiseerzählungen und Schlachtendarstellung doch zunehmend trockener ausfallen.
Und damit wären wir auch schon beim Problem des Hörbuchs, was einfach in der Geschichte selber zu suchen ist. So eindrucksvoll das Lebenswerk von Alexander ist, so einseitig fällt es auch aus. Reisen, Kämpfen, Siegen, Feiernlassen, Göttlicher werden! Und dies in einer scheinbar schier endlosen Schleife, die kaum von wirklich schicksalhaften Zwischenfällen unterbrochen wird. So stellt sich nach einiger Zeit doch etwas Erschöpfung beim Hörer ein, die man bei einer rein fiktiven Erzählung sicherlich vermieden hätte. Dass die Erzählung dennoch eine spannende Note erhält, verdankt das Hörbuch sicherlich seinem Erzähler Gerrit Schmidt-Foß, der sich mächtig ins Zeug legt, um den vor Jahrtausenden Verstorbenen neues Leben einzuhauchen.
Auch wenn Geschichte häufig sehr schleppend sein kann, so tritt man hier den Beweis an, dass man auch aus trockenem Stoff ein unterhaltsames Stück aufzustellen weiß. So hätte mir Geschichte in meiner Schulzeit sicherlich auch mehr Spaß gemacht!