Rezensionen

Ashley MacIsaac: Pride TIPP

(Linus / ZYX)

Autor: Katze / Wertung: 0.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Ashley MacIsaac - PrideAls ich Ashley MacIsaacs CD „Pride“ zum ersten Male in Händen hielt, fragte ich mich, ob das eine Musik-CD ist oder ein Katalog für Herrenunterwäsche. MacIsaac mimt nämlich auf Cover, Back-Cover und seitenweise im Booklet bis zur Extase den Kleiderständer für lässig am Schniedel aufgehängte Jeans, die Boxershirts in sämtlichen Farben und Formen freilegen, wobei wir seinen dürren Oberkörper, auf dem ein markiger Schädel sitzt, wahlweise in Muscel-Shirt, offenem Hemd, offener Kapuzenjacke oder auch mal ganz nackig bestaunen dürfen. Der Knabe sieht aus wie Kate Moss in fast männlich, da helfen auch alberne Stinkefinger-Posen nichts mehr.

Was das alles mit seiner Musik zu tun hat? Nichts, die Fotos erheitern zwar irgendwie meinen Abend, stehen aber in keiner Beziehung zu dem nichtssagenden Musik- und Stilmix, den der Kanadier auf „Pride“ absondert, und mir damit nach anfänglicher Erheiterung den Abend auch gleich wieder versaut, weil ich mich ja schließlich in Form einer Rezension mit dem Kram auseinandersetzen muss und die Platte dementsprechend gleich mehrmals hören ‚darf’. Aber auch nach mehrmaligem Genuss weiß ich immer noch nicht, was mir dieses Album sagen will. Da startet er beispielsweise mit einem Schrammel Pop Punk Stück namens „Bitch“ in seine Platte, um sich dann sofort mit „Just Because“ eine Art leidenden 70ies Rock aus den Boxer-Shorts zu ziehen. Das anschließende „Love ’Em“ schlägt einem nölig vorgetragene Texte unterlegt mit Discobeats, die selbst in den 80ern keiner cool gefunden hätte, auf die geschundenen Ohren. Ein anderes Mal macht MacIsaac auf Alternative / Garage Rock und erzählt uns, er wäre „so sick of rock’n’roll“ weil er denkt „it’s lost its soul“, nur um uns dann mitzuteilen „I took so much LSD“. Hey! Ich mein, würde ich mir LSD werfen, würde mich auch so ziemlich alles sick machen. Wo ist da die Leistung? Ein weiters Highlight der Platte bildet "A Man Like You", eine herrlich seichte mit Fistel-Stimme vorgetragene Pop-Ballade, bei der man die ganze Zeit Angst hat, dass dem guten Herrn das ohnehin zu dünne Stimmchen gleich ganz zu brechen droht. Der absolute Glanzgipfel auf dieser Platte ist allerdings „Revolution“, bei dem der Künstler in ganz seichte Country-Gefilde abdriftet. Als wäre die Mucke an sich nicht schon schlimm genug, werden sämtliche Songs auch noch zur Krönung mit Lyrics versehen, die von solch iener textlichen Schlichtheit sind, dass daneben selbst The Ramones wie Epik-Autoren wirken. Ganz schlimm…. Wirklich ganz schlimm.

Aber was soll ich mir mit der Platte weiter den Abend versauen? Mag sein, dass sich mir möglicherweise die Genialität dieses Releases aus welchen Gründen auch immer nicht erschließt und manch einer in „Pride“ genau die Erfüllung findet, die er sein ganzes musikalisches Leben lang gesucht hat. Es sei ihm gegönnt! Ich jedenfalls hab in meinem ganzen Leben noch kein einziges Mal LSD angetestet und dementsprechend macht mich Rock’n’Roll auch noch nicht krank. Genau das werde ich Ashley MacIsaac jetzt beweisen und zerre sein Machwerk aus dem Player, um dort Platz für eine anständige Rockplatte zu machen. Einen halben Punkt für diese Umweltverschmutzung, aber nur weil ich ein wenig über das Artwork schmunzeln konnte!

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