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Amplifier: Amplifier TIPP

(SPV)

Autor: DJ / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Amplifier - AmplifierWenn heutzutage im ‚gewöhnlichen’ Rock Bereich versucht wird, eine wirklich gute Scheibe an den Mann zu bringen, dann horcht man schon einmal auf. Zuletzt wurde einem zu häufig durchschnittliche ‚Lümmel quälen Saiten in der Garage’-Musik als ‚das große Ding’ verkauft, nicht selten 08/15-Acts als neue Musikrichtung angepriesen und Innovation mit Unmusikalität verwechselt. Schlechte Songs schreiben kann jeder, schlecht arrangieren ebenfalls, aber warum dies dann immer eine eigene Note haben soll… die Zeiten sind doch sicherlich längst vorbei. Selbst beim Grand Prix trommelt heute jeder Jeck auf Müll, ist dabei aber sicherlich nicht mehr so avantgardistisch wie die frühen Vertreter industrieller Musik. Und wenn ich mit meinen Nasenhaaren innerhalb von 2 Sekunden 100 Töne auf der Gitarre spiele, ist das sicherlich verdammt schnell, aber noch lange nicht das, was der Hörer hören will und auch noch lange keine musisches Genius, sondern eher ein Fall Akrobatik für den Zirkus.

Amplifier, ein Trio aus Manchester, benötigen keine große Promotion. Die Schnauze reißt die Band selber weit genug auf. Ihr Debüt kündigten sie im letzten Jahr großmäulig mit den Worten ‚ Amplifier, the biggest three piece in the world’ an. Dabei haben den Titel doch schon unsere deutschen Lustig-Ingenieure Die Ärzte für sich in Anspruch genommen. Und andere Bands wie beispielsweise die kanadischen Rush verdienen ihn wirklich. Aber gesundes Selbstvertrauen ist … gesund. Zumindest solange, wie man die geweckten Erwartungen erfüllen kann. Und solange der Erfolg nicht ausbleibt. Der große Knall blieb allerdings bei den Briten aus, weshalb das zuerst via Zomba vertriebene Debüt nun mitsamt einer zusätzlichen EP erneut den Weg in die Läden findet.

Und vielleicht klappt es diesmal mit dem Sechser im Lotto. Allerdings hat sich seit einem Jahr der Markt sicherlich nicht stark gewandelt. Und der britischer Dreier spielt sich immer noch an den angesagten Klischees vorbei. Das Debüt Amplifier bietet ausgewachsene Rock Musik irgendwo zwischen 70s Feedback, Indierock, deftigen Gitarrenschüben, psychedelischen Effekten und epischen Klangtragödien. Da man zumeist über die gewöhnliche Singlelänge weit hinausschießt, fehlt Amplifier etwas die Charttauglichkeit, auch wenn man es mit zwei Videos versucht hat. Der Rock der Jungs ist aber kein öffentliches Ding, sondern Musik für Schallplatten mit aufklappbarem Cover, Gitarrenflächen für Liebhaber und das aufmerksame Ohr in der Abendstunde. Beschäftigungstherapie für Zeitlose. Und für die gibt es sicherlich auf der Scheibe einiges zu entdecken.

Allerdings werden die sich auch damit anfreunden müssen, dass die Band nicht wirklich Tempo und Stimmung variiert, einen auf Amplifier also immer das gleiche Wetter mit der gleichen Windstärke erwartet. Für den einen verkommt das Debüt somit eher zu einer lauen Brise, dem anderen weht es kräftig um die Ohren. Persönlich habe ich mich immer noch nicht entschieden, welche Kleidung ich beim Hören anziehe. Vorsichtshalber habe ich aber einen Kamm eingesteckt, um die Frisur wieder zu richten. Erwartungsvolle 10 Punkte.

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