Wenn man glaubt, es kann nichts Neues mehr kommen, dann schiebt sich Finnland wieder auf die Landkarte und schlägt musikalische Purzelbäume. Während einem die Musikpresse diesen ganzen Neo-Pseudo-Rock-Kack mit intellektuellen Wurzeln in britischen Teebeuteln und amerikanischen Stinkesocken zu verkaufen sucht und alle, die einfach nur dabei sein möchten, auch noch drauf reinfallen, sitzen die Finnen in ihrer Sauna und brüten das nächste große Ding aus. Da in Finnland Absurdität groß geschrieben wird, verwundert es einen auch nicht weiter, dass bei den Finnen auf der einen Seite die Zeit stehen geblieben ist, sie dem Rest der Welt häufig aber in vielen Dingen voraus sind. So auch bei dem Synthie-Trio Aavikko, die schlicht auf irgendwelchen alten Orgeln unterstützt von groovigen Schlagzeugfellen auf dem Partyboard davonsurfen. Was anfangs mit Back From The Futer noch recht bescheiden losgeht, formiert sich mit dem zweiten Track Rosinante schnell zur Guten-Laune-Polonaise. Die absolute Granate findet sich aber im lockeren Homo Futurus, bei dem ein mechanischer Hund sensationell bellt (!) – ja, er bellt sensationell! Una Lira Soluzione rattert auch in wilden Synthie-Kaskaden durch die Lautsprecher, dass man meint Dave Mustaine hätte Bontempi für sich entdeckt und sechs Wochen am Stück Captain Future geguckt. Für Erotica hätte ich mir zwar lieber den später auftretenden Titel Futer City gewünscht, aber die Nummer kifft auch so gut ab. Der Rest der Platte bombt dann zwar nicht mehr so stark, macht aber immer noch verdammt viel her – und vertreibt vor allem jegliche Sorgen mit finnischer Fröhlichkeit. Kaufen und/oder auswandern!
Rezensionen
Aavikko: Back From The Futer TIPP
(9pm Records)
Autor: DJ / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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