3 Doors Down werden ja gerne in die Schublade mit dem übergroßen G gesteckt. Die zweite oder dritte Generation Grunge? Auch wenn ihnen dieser Stempel gerne schnell auf die Stirn gepappt wird und der Bandname gerne in einem Atemzug mit Staind, Creed oder Nickelback genannt wird, ist dies nur bedingt richtig. Ganz davon abgesehen, dass schon die Seattle Bands komplett unterschiedlich klangen, sind 3 Doors Down einfach eine amerikanische Rockband! Punkt.
Der Erfolg gibt 3 Doors Down sowieso Recht. 13 Millionen Alben konnten sie bisher an die Frau oder an den Mann bringen. Hinzu kommen drei Multi-Platin Alben, sechs Nummer eins Hits in den USA und unzählige Awards. „Kryptonite“ dürfte sowieso jeder Rockfan kennen und zusätzlich tourte sich die Band auch den Arsch ab. Dann kam fast schon das Unvermeidbare, 3 Doors Down mussten der Musikmühle Tribut zollen. Die Band machte das einzig Richtige und zog den Stecker. Sie mussten sich mal wieder erden und die Birne frei blasen.
Letztlich ist das selbstbetitelte Album dabei herausgekommen. Insgesamt ging die Gruppe mit 27 Songideen schwanger, wovon es nun 12 auf die Scheibe geschafft haben. Gemietet haben sie sich übrigens ein Farmhaus um dort in aller Ruhe den Feinschliff vorzunehmen. Das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Unter dem Strich besticht das Werk mit einer gewissen Lockerheit, fast so, als wollte die Band auf zu neuen Ufern. Natürlich ist dies immer noch ein Rockalbum, aber anscheinend mit mehr Inspiration als die letzten musikalischen Versuche der Band.
„Train“ war einer der ersten Songs, den sie für die Platte geschrieben hatten. Die Nummer ist auch hier ganz vorne zu finden. Verfeinert wurde das Stück bei einer Jamsession und genau diesen Jamcharakter hört man hier raus. Unglaublich druckvoll schält sich der Albumopener aus den Boxen und auch wenn dies im Grunde nicht mehr als solider, amerikanischer Rock ist, macht der Song doch unglaublich Spaß und Lust auf mehr. „Citizen/Soldier“ ist eine Spur ausgefeilter im Songwriting ausgefallen und ein ganzes Stück vertrackter. Die Strophen bauen sich sehr schön auf, um dann in einem hymnischen Refrain zu münden. Hymne ist auch das Stichwort für die erste Single „It´s Not My Time“. Im Grunde ist die Nummer sehr simpel aufgebaut, überzeugt aber mit einem melancholischen Unterton. Danach hauen 3 Doors Down standesgemäß eine Ballade raus. Gerade dieses Metier ist ja immer ein zweischneidiges Schwert, aber was die Fünf hier abliefern ist jenseits von jeglichem Kitsch. „Pages“ wird die Welt zwar nicht in ihren Grundfesten erschüttern, geht aber durchaus in Ordnung. „It´s The Onyl One You´ve Got“ ist ähnlich strukturiert. Die Nummer steht exemplarisch für den neuen Geist von 3 Doors Down. Gemeinsam und demokratisch wurde der Song aus dem Nichts entwickelt.
Mit „Give It To Me“ schippern 3 Doors Down im selben Fahrwasser wie Matchbox Twenty in die zweite Albumhälfte. „These Days“ zieht anschließend, besonders im Refrain, die dicke Hose-Nummer ab. Überzeugender sind allerdings die ruhigeren, aber eindringlich gesungenen Strophen. Musikalisch insgesamt ein vielfältiger und straighter Track. „Your Arms Feel Like Home“ in seinem balladesken Gewand geht ebenfalls in Ordnung, man könnte auch sagen, tut keinem weh. „Runnaway“ sieht die Band selber als einen Song fürs Autofahren an. Damit haben sie sicherlich nicht ganz unrecht, insgesamt aber auch etwas beliebig. „When It´s Over“ schlägt wieder die melancholischeren Töne an, drückt im Refrain aber mehr aufs Gaspedal, sprich es wird eine Spur härter. „She Don´t Want The World“ beendet die Scheibe anschließend mit einem Paukenschlag. Nicht, weil die Band es hier noch mal so richtig krachen lässt, sondern, weil hier Loops zum Einsatz kommen und eine richtige Hookline gar nicht erst auszumachen ist. Die Arrangements sind sehr ausgefeilt und zeigen eine ganz andere Seite von 3 Doors Down. Der stärkste und ungewöhnlichste Track beendet also das Album.
Fazit: 3 Doors Down haben zu weiten Teilen ein beachtliches Album abgeliefert. Man hört und spürt die Weiterentwicklung. Es steht der Band sehr gut zu Gesicht, dass sie nicht versucht haben eine alte Suppe wieder aufzuwärmen. Selbstverständlich haben sie nicht gänzlich auf die alten Zutaten verzichtet. Unter dem Strich ergibt das ein wirklich gutes Album, welches eine gereifte Band präsentiert.