Interessierte Kinogänger und Filmfans werden Julie Delpy sicher aus den bezaubernden Filmen „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ kennen und lieben. Für viele ist sie der Prototyp der Französin, die mit Charme und einer großen Prise Romantik die Zuschauer verzaubert. Die Schauspielerei alleine ist aber nicht ihre einzige Passion, auch die Musik nutzt sie als Ausdrucksform. Ebenso studierte sie Regie in New York. Mittlerweile lebt sie in Los Angeles und hat mit „2 Tage Paris“ nun ihr Regiedebüt vorgelegt.
Die komplette Kontrolle hielt sie dabei in der Hand. Neben der Hauptrolle ist sie auch noch für das Drehbuch, die Regie, die Musikauswahl, das Casting und sogar den Schnitt verantwortlich. Erstaunlich, wie sie bei dieser Vielzahl von Aufgaben den Überblick für das Wesentliche behalten hat. Wo andere vermutlich absolut überfordert wären läuft Julie Delpy hier zur persönlichen Hochform auf.
Auch wenn Julie Delpy hier Dreh- und Angelpunkt ist, wäre der Film natürlich nur halb so gelungen, wenn der Rest der Schauspielerriege nicht ebenfalls auch so brillant agieren würde. Bis in die kleinsten Nebenrollen (Daniel Brühl darf hier sein Talent auch unter Beweis stellen) ist die Besetzung perfekt und neben vielen skurrilen Momenten darf man so allerhand schrullige Figuren bewundern.
Die Story selber scheint zunächst wenig spektakulär ist in der Umsetzung aber hinreißend komisch. Die Französin Marion und ihr amerikanischer Freund Jack (grandios Adam Goldberg) reisen durch Europa und als Abschluss steht ein Besuch bei Marions Eltern in Paris an. Ab dann nimmt die Geschichte für Jack eine fatale Wendung und als Zuschauer sitzt man schmunzelnd und lachend in der ersten Reihe. Neben der Sprachbarriere gibt es auch noch einige andere Dinge, die Jack einfach nicht versteht und zur Kenntnis nehmen muss. Amerikaner und Franzosen scheinen nicht auf dem selben Planeten zu wohnen, ja nicht mal im selben Universum. Für Jack scheinen sämtliche Franzosen bzw. Pariser nur an Sex zu denken und zu reden. Auch die Ernährung entspricht so gar nicht seinem Weltbild. So stolpert er 2 Tage lang ungläubig hinter seiner Freundin her und gerät dabei in für ihn eine unglaubliche Situation nach der anderen. Dies mündet letztendlich in der schier unglaublichen Anzahl an Ex-Liebhabern von Marion, die ihm allesamt über den Weg laufen, seine Freundin sich aber nicht mehr an jeden mit Namen erinnern kann. Sie versichert Jack aber, dass sie mit allen noch befreundet ist. Jack ist mit den ganzen Situationen völlig überfordert. Hier prallen Kulturen aufeinander. Eine Pointe jagt so die nächste und Adam Goldberg spielt sich als Jack grandios in den Mittelpunkt und ist der heimliche Star von „2 Tage Paris“.
Bild und Ton sind schon völlig in Ordnung. Der Film benötigt allerdings auch keinen amtlichen Sound eines Actionfilms. Der Kotrast erscheint genau richtig und die Farben wirken natürlich. Der Ton ist dem Film angemessen. Der Schnitt und die Kameraführung sind allerdings hin und wieder etwas gewöhnungsbedürftig. Zum Teil wirkt die ganze Geschichte etwas wie mit der Privatkamera gefilmt, wackelig und ein wenig hektisch. Allerdings wird so der Portraiteindruck des Films gleich noch mal verstärkt.
Man sollte sich übrigens nicht die Einzel-DVD zulegen, sondern direkt die schmucke Box, bei der man den bezaubernden Soundtrack des Films gleich dazugeliefert bekommt! Auch dieser wertet „2 Tage Paris“ noch auf und ist eine feine musikalische Begleitung.
Fazit: „2 Tage Paris“ ist ein wirklich gelungener Film, bei dem Julie Delpy ihre Extraklasse unter Beweis stellt. Einem lustigen DVD-Abend steht somit nichts mehr im Wege. Schön, dass es noch Filme mit feinsinnigem Humor gibt, ohne platte Holzhammermethode. Empfehlenswert!