Während sich das letzte Werk Coma thematisch vor allem den Verbrechen an Tieren annahm, steht beim neuen Opus Deathawaitsyouwithopenarms der Tod im Allgemeinen im Mittelpunkt. Das Sterben wird sowohl in ruhigen, andächtigen Momenten, aber auch als Folge von Gewalteinwirkungen präsentiert. Manchmal klingen die Sounds von 1972 dabei nach dem Ambiente einer gemütlichen Kellerbar, während draußen Straßenarbeiten stattfinden. Andere Tracks hingegen verpacken die Agonie eines qualvollen Todes deutlich in grelle Töne. Die Konstrukte aus zahlreichen verschachtelten Samples und Störgeräuschen türmen sich dabei wie schon beim Vorgänger riesig und dicht vor dem Hörer auf und entfesseln den Bilderrausch vor allem über Kopfhörer. Vereinzelt finden sich dabei zierliche Harmonien im Arbeitslärm des Klangkünstlers Leander Körfer wieder, die sich aber in der Kühle der maschinellen Musik schnell verlieren. Die Massenbewegenden M’s Mainstream und Melodie wird man auf Deathawaitsyouwithopenarms dabei vergeblich suchen, vielmehr gibt es ein dreifaches K: Künstlerische Freiheit, Kreatives Baukastenprinzip und mehrdimensionaler Krach. Topfdeckelschläger dürfte sich vor allem das geniale Artwork in die Augen brennen, das in seiner Morbidität an die schönsten Metal-Cover der letzten 20 Jahre erinnert und nicht von ungefähr in einer großen DVD-Hülle kommt.
Am Liebsten genieße ich meine Stunde Deathawaitsyouwithopenarms beim Joggen im Park, wenn ich bei nun wieder sommerlichen Temperaturen mit Kollagen wie Black Emperor, Überdosis oder Kill Me Again an Spaziergängern im sterbefähigen Alter vorbeisprinte: die Sonne brennt auf den Arsch, und der Soundtrack zum Sterben scheppert in den Ohren. So lass ich gerne den Sommer ausklingen!
Rezensionen
1972: Deathawaitsyouwithopenarms TIPP
Autor: DJ / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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